Drei für Kinder, eins für Erwachsene: eine kleine Serie mit unseren liebsten New-York-Bilderbüchern. Über ein Mädchen, das im Hotel wohnt. Von einem Mann, der ganz New York zeichnen will. Über ein Paar, das einsam zwischen Wolkenkratzern war, und über eine Nachbarschaft, die einen ganzen Kosmos bildet. Für echte und geträumte Reisen nach New York mit Kindern.

I. Komm wieder, Eloise!

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Eloise ist die berühmteste New Yorker Bilderbuchgestalt, und das seit 1955. Damals brachte die Sängerin und Schauspielerin Kay Thompson zusammen mit dem Illustrator Hilary Knight einen echten Knüller heraus: ELOISE.

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Eloise lebt zusammen mit ihrer Nanny, ihrem Mops und ihrer Schildkröte im New Yorker Plaza-Hotel. Irgendwo in der Ferne gibt es eine Mutter, die das Geld in Strömen fließen lässt, die man aber nie sieht. Das Plaza ist Eloises Zuhause, seine Angestellten ihre Familie, den Luxusladen aufzumischen, ihre Hauptbeschäftigung.

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Eloise, die im Laufe der Jahre vier Bilderbücher füllte, war bei ihrem Erscheinen ein gigantischer Erfolg, und bis heute ist sie eine New Yorker Ikone. Aber in Deutschland sind die Eloise-Bücher Mangelware. (Daher auch der englisch-deutsche Cover-Mischmasch ganz oben in diesem Post – man muss nehmen, was das heimische Bücherregal hergibt.) In den frühen Zweitausendern hat der Berlin Verlag Eloise aufgelegt, aber inzwischen kann man sie auf Deutsch nur noch antiquarisch kaufen. Dabei funktioniert Eloise auch in deutscher Übersetzung erstklassig:

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Verleger, gebt uns Eloise wieder! Lasst unsere Kinder nicht im Regen stehen, wenn sie mal nach New York kommen und am Plaza Ecke Central Park / 5th Avenue den Hinweis auf Eloise sehen, ins Souterrain gehen und dort in einen Shop finden, der die freche Göre des Big Apple feiert. Schließt die Bildungslücke namens Eloise!

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„Eloise“ kaufen: auf Deutsch gibt es nur gelegentlich antiquarische Exemplare; den großen Eloise-Sammelband auf Englisch kann man online unter diesem Link bestellen

II. NYC-Bilderbuch für Erwachsene

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James Gulliver Hancock arbeitet an einem gigantischen Projekt: Der australische Illustrator will alle Gebäude zeichnen, die in New York stehen. Nur konsequent, dass sein Buch ALL THE BUILDINGS IN NEW YORK THAT I’VE DRAWN SO FAR heißt (Universe Publishing; zu bestellen übers Internet).

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Selbst, wenn Hancock noch Tausende Bauten vor sich hat: Die, die er bis jetzt gezeichnet hat, reichen, um ein herrliches New-York-Buch zu füllen. Große Wahrzeichen finden sich darin ebenso wie die vielen Häuser, an denen man ohne besondere Aufmerksamkeit vorbeigeht.

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Hancock zeichnet mit skizzenhafter Geste, verleiht jedem Gebäude eine eigene Palette von wenigen Farben und spielt feinsinnig mit Typographie: Mittel, mit denen er seinem New York eine spezielle Atmosphäre verleiht.

„Diese Sammlung und diese Obsession sind zu einem fast rituellen Unterfangen geworden, zu einer Art Therapie, die mir hilft, die überwältigende Unendlichkeit und das Chaos von New York zu etwas zu organisieren, das ich kenne und verstehen kann,“ schreibt Hancock. Sein Buch anzuschauen, kann dem Nicht-Zeichner auch dabei helfen. Außerdem ist es eine Freude fürs Auge.

Wie es mit Hancocks Projekt weitergeht, kann man auf seiner Website verfolgen.

Ein Interview mit dem Zeichner über sein rekordverdächtiges Vorhaben hat die „Zeit“ veröffentlicht.

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„All the Buildings in New York“ kaufen: online über diesen Link zu bestellen

III. Einsamkeit, Zweisamkeit und Jazz

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Beide sind einsam in der großen Stadt: Herman, das Krokodil, und Rosie, das Reh. Herman spielt seine Gefühle mit seiner Oboe in Form von Jazzmelodien in den New Yorker Himmel, die Kellnerin Rosie singt abends im Club.

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Sie kennen einander nicht, aber ihre Schicksale sind miteinander verwandt. Als sie beide ihre Arbeit verlieren, wird die Einsamkeit inmitten von Menschenmassen unerträglich.

Bis sie sich treffen und gemeinsam unter dem New Yorker Himmel Musik machen. „Von diesem Tag an war die Stadt irgendwie nicht mehr die gleiche,“ heißt es am Ende des zauberhaften Bilderbuchs HERMAN UND ROSIE von Gus Gordon (Knesebeck Verlag). Für Kinder, aber nicht nur.

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IV. Einmal um den Block, einmal um die Welt

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Peter Sís stammt aus Tschechien, aber seine Wahlheimat ist New York. Sein Kinderbuch MADLENKA (erschienen bei Hanser) ist eine Hommage an das multikulturelle Manhattan. (Mehr von Peter Sís: bitte hier klicken!)

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Madlenkas Zahn beginnt zu wackeln. Ihre Begeisterung darüber muss sie mit aller Welt teilen. Also besucht sie die Nachbarn aus ihrem Häuserblock: den französischen Bäcker, den indischen Zeitschriftenhändler, die alte deutsche Dame mit dem vielsagenden Namen Grimm und einige andere, die aus unterschiedlichen Teilen der Welt stammen.

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Jeder freut sich auf seine Weise mit Madlenka – in seiner Sprache und mit Glückwünschen, die die Werte seiner Kultur widerspiegeln.

Peter Sís ist ein großer Zeichner, dessen feiner Strich die Welt in vielen magischen Details zeigt. Aus Madlenkas New Yorker Begegnungen entfaltet sich ein ganzer Kosmos von Geschichten, Mythen, Erinnerungen.

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Als Madlenka von ihrer Runde um den Block nach Hause kommt, fragen ihre beunruhigten Eltern, wo sie war, und sie antwortet: „Ich… ich bin um die Welt gelaufen.“

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