… und als Mitglieder des Stammes der Huron-Wendat im 17. Jahrhundert in Kanada lebten, würden wir in Langhäusern wohnen.

Zusammen mit mehreren Familien von insgesamt bis zu 80 Personen. Oberste Instanz unseres Langhauses wäre eine Clan-Mutter.

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Wir würden am Rand auf einer Etage über dem Feuerholz schlafen; in Fellen auf einer Unterlage aus getrockneten Sträuchern, die Ungeziefer fernhielten.

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Auf den Streben der Etage über uns hingen Kleider und andere Dinge, denn dort wäre der Rauch zu stark zum Schlafen.

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Zusammen mit einer anderen Familie würden wir uns die Verantwortung über eine Feuerstelle teilen.

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Dort könnten wir im Winter, wenn die Nahrung knapp wäre, Gerichte aus den im Sommer gefangenen und getrockneten Fischen zubereiten. Meistens allerdings würden wir uns von Lebensmitteln aus dem Ackerbau ernähren, auf den wir als sesshafte Indianer spezialisiert wären.

Wenn wir kanadische Wendat-Indianer von heute wären, sähe alles ganz anders aus. Wir würden in dem Dorf Wendake wohnen: gleichzeitig Reservat und Vorort der Stadt Québec.

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Von dem sozialen Elend, das in vielen Indianerreservaten herrscht, wäre man bei uns weit entfernt.

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Unseren Straßen hätten wir die Namen großer Huron-Wendat-Häuptlinge gegeben.

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Und Besucher würden auf einer Mokkassin-Route an den wichtigsten indianischen Sehenswürdigkeiten des Orts vorbeigeführt.

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Manchmal würden die Besucher sich fragen, ob man ihnen nicht zu viel indianischen Budenzauber böte. Zum Beispiel, wenn die sehr italienischen Pizzas in einem der Restaurants die Namen von Indianerstämmen trügen. Oder wenn auf den Tischen eines anderen Restaurants Salz- und Pfefferstreuer in Tipi-Form stünden. Ob die alten Indianer mit sowas ihr Büffelfleisch gewürzt haben?

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Aber dann würden die Besucher mit Natives reden, die einem eines der rekonstruierten Langhäuser zeigen oder sich um Aktivitäten zur Kulturvermittung kümmern. Und sie würden feststellen, mit wie viel Engagement sie sich um die Erhaltung oder Wiederbelebung ihrer bedrohten und ausgestorbenen Traditionen bemühen. Und um die lange unterdrückte eigene Sprache, die die Kinder heute wieder in der Schule lernen dürfen. Vielleicht liegt darin die Authentizität eines Ortes wie Wendake.

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Ein paar Fakten zu Wendake:

Der 3000-Einwohner-Ort liegt rund 15 Kilometer nordwestlich der Ville de Québec und ist den Indianern der Huron-Wendat-Nation vorbehalten, die dort zwar Häuser bauen und erwerben können, allerdings keinen Grund kaufen dürfen: Der gehört der kanadischen Regierung.

Das Hôtel-Musée Premières Nations ist ein in seinem Design indianisch inspiriertes Hotel. Es hängt direkt mit einem Museum über die Huron-Wendat zusammen. Das Hotel besitzt ein rekonstruiertes Langhaus, das man nicht nur besichtigen, sondern in dem man auch schlafen kann.

Außerdem bietet Wendake mit Ohnhüa Chetek8e ein Museum, in dem traditionelle Gebäude, Arbeitsstellen und Boote der Huron-Wendat nachgebaut sind. Was von außen etwas bunt und kommerziell daherkommt, ist eine sehr informative Anlage, deren Führer – sämtlich Natives – Interessantes zur Geschichte und zum aktuellen Leben der kanadischen Indianer zu erzählen haben. Die hier gezeigten Fotos zum früheren Leben der Huron-Wendat wurden dort aufgenommen.

Die Restaurants Sagamité und Le Traité machen es sich zur Aufgabe, einige indianische Küchentraditionen wiederzubeleben, deren wichtigster Bestandteil Wild ist.

Zu einer Geschichte über unsere Tage auf der kanadischen Indianerinsel Manitoulin Island geht’s hier