Gestern war in ganz Deutschland Tag des offenen Denkmals. Das klingt ein bisschen uncool, nach grünspanigen Kaiser-Wilhelm-Denkmälern. In Wirklichkeit allerdings sind Kulturdenkmäler unterschiedlicher Art gemeint, und wenn man die Programme des Denkmaltags für die verschiedenen Gegenden anschaut, kann man auf erstaunliche Überraschungen stoßen – unter Umständen vor der eigenen Haustür.

P1120202

P1120203

In unserem Fall war der Ulmer Minnesängersaal so eine Überraschung. Im späten Mittelalter, um 1370, als Festsaal einer Patrizierfamilie erbaut, überdauert er gut versteckt im Hochbauamt Ulm – mitten in der Innenstadt. Aufgeschlossen wird er auf Anfrage und beim Tag des offenen Denkmals.

Sobald man den kleinen Saal betritt, steht man in einer Märchenwelt. Wände und Gewölbe sind vollständig mit Fresken in Blau- und Brauntönen bedeckt. An den Decken Wappentiere, an den Wänden illusionistische Draperien, Ranken und Szenerien aus der Ideenwelt der Minne. So perfekt erhalten, dass man sich eher in einer Filmkulisse als in einem echten historischen Raum wähnt.