Meine Freundin C. kommt während einer Ostseekreuzfahrt für einen Tag nach Helsinki, mit Mann und Sohn. „In Helsinki brauchst du keine Führung, da kann ich dir alles aufschreiben“, habe ich mich leichtsinnig aus dem Fenster gelehnt. Also gut. Und eigentlich kann ich aus meinen Tipps auch gleich einen Blogpost machen. Zumal ich noch eine Freundin namens C. habe, die ebenfalls im Zuge einer Kreuzfahrt mit Sohn in die Stadt kommt. Deshalb hier meine Tipps für Mütter, die einen Tag in Helsinki inklusive Design-Shopping – ein Muss in Helsinki – genießen wollen und in Begleitung von Personen sind, die alles andere interessanter finden.

P1100198b Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Zaren erbaut; damals war Helsinki noch russisch

Liebe C.,

die Innenstadt von Helsinki beginnt unmittelbar am Hafen; Du kannst alles zu Fuß machen. Zu allererst kommt Ihr über einen kleinen Markt mit sehr blöden und sehr guten Souvenir- und Essensständen. Seit mir dort mal eine Möwe im Flug eine halbe Pirogge aus der Hand geschnappt hat, stehe ich diesem Ort gespalten gegenüber.

Im Stadtzentrum von Helsinki

Direkt dahinter siehst Du den klassizistischen Dom weiß aufragen – im Grunde das Herz der Stadt. Dort solltet Ihr hingehen. Rechts davon steht auf einem kleinen Hügel eine rote Kirche mit Zwiebeltürmen: die Uspenski-Kathedrale, die größte russisch-orthodoxe Kirche außerhalb Russlands. Für unsere Kinder und uns sehr beeindruckend, aber wenn Ihr vorher schon in St. Petersburg wart, könnt Ihr die wohl schwänzen.

Zwischen Hafen und Dom habt Ihr linker Hand bereits einen Blick in die Flanier- und Shoppingstraße Esplanadi geworfen. Interessant ist vor allem ihre nördliche Seite, die Pohjoisesplanadi. Die musst Du ablaufen. Ziemlich schnell kommt Ihr zum Aschan Café Jugend, in das Ihr unbedingt hineinschauen müsst: ein grandioses Beispiel für den nationalromantischen finnischen Jugendstil. Du könntest ein paar korvapuusti (wörtlich: Ohrfeige) kaufen, die finnische Variante des Franzbrötchens, und Deine Familie hier für ein Weilchen deponieren.

IMG_6680b Ascham Café Jugend

Finnisches Design

Du musst nämlich weiter, und was jetzt kommt, verzeihen Dir die Männer nicht: erstmal Aarikka, eine Designmarke, die auf Holzperlen setzt – bei Schmuck genauso wie bei Inneneinrichtungsgegenständen. Du kannst Dich hier erstklassig mit hübschen Weihnachtswichteln eindecken. Ein bisschen weiter dann Iittala und Arabia, Glas und Porzellan, muss man auch gesehen haben: viel finnischer als bei uns. Und schließlich: Marimekko! Viel Spaß im Farbrausch; ich würde gern mit Dir tauschen! Sollten die Jungs in der Zwischenzeit ungeduldig auf Deinem Handy anrufen, schick‘ sie in die grüne Mitte der Esplanadi, dort gibt es Kioske mit gutem Eis (jäätelö).

wichtelDie weihnachtlichen Auswirkungen sommerlicher Helsinki-Trips bei uns

P1100215bSo sah Marimekko letzten Sommer aus – schick‘ mir ein Bild von diesem Sommer!

Ganz am Ende der Esplanadi kommt noch der Akademische Buchhandel, dort könnt Ihr Euch bei Bedarf auch mit deutschen Büchern eindecken. Außerdem hatte Alvar Aalto bei dem Bau seine Hände im Spiel – schau‘ Dir seine eleganten Türgriffe an. (Ein Geschäft von Artek, der Einrichtungsfirma, die Alvar Aalto mitgegründet hat, findet sich übrigens auf der anderen Seite der Esplanadi.)

Rund um den Bahnhof

Das reine Frauenprogramm ist jetzt vorbei. Von der Esplanadi solltet Ihr nach Norden in die große Straße namens Mannerheimintie biegen. Hier sieht man, dass Helsinki nicht einfach eine schnuckelige skandinavische Stadt ist, sondern auch einen Touch von Osteuropa hat. Finde ich jedenfalls. Wobei ich noch keine echten Aki-Kaurismäki-Stadtviertel finden konnte.

Auf der rechten Seite der Mannerheimintie siehst Du bald das weiße Kiasma, das Museum für zeitgenössische Kunst. Ich fand die Ausstellungen dort bisher jedes Mal klasse; auch der Buchladen ist super.

Wenn Ihr nicht hineingeht, biegt direkt vor dem Eingang nach rechts in Richtung Bahnhofsplatz. Unbedingt in die posti gehen, das Hauptpostamt. Die Finnen lieben Design; es ist umwerfend, mit was für Pappkartons, Umschlägen und Briefmarken hier selbst die Post aufwartet!

Und dann bitte zum Bahnhof; er ist eines der architektonischen Highlights der Stadt. Eliel Saarinen hat ihn von 1904 bis 1919 gebaut. Ihr müsst auch hineingehen.

IMG_6731bManchmal sieht man Unerwartetes: Baumstamm-Wettsägen neben dem Bahnhof

Kaffee, Lachssuppe und Schokolade

Jetzt seid Ihr durch mit Shopping und Sightseeing; nun kommt noch das Café Fazer. Es liegt vom Bahnhof aus in der Richtung, aus der Ihr kommt und in die ihr wieder zurückmüsst: in der Kluuvikatu; am besten, Du druckst Dir die Route vorher via Google Maps aus. Fazer ist die entscheidende finnische Schokoladenfirma; mein Mann hält die Vollmilchschokolade für eine der weltbesten. Unsere Kinder sind große Fans der Marianne-Bonbons, die man am rot-weiß-gestreiften Papier erkennt. All das und weitere schokoladige Mitbringsel könnt Ihr in dem Café kaufen. Und Ihr könnt dort Torte, Krabbensandwiches oder auch leckere finnische Lachssuppe essen.

Marianne Es geht das Gerücht, hinter dem Verpackungsdesign stehe Marimekko

Und dann: zurück zum Schiff! Ich weiß, so richtig tolles Jungsprogramm war bei meinen Tipps nicht dabei. Vielleicht habt Ihr vor der Abfahrt noch Zeit, zu dem Kai zu gehen, an dem die finnische Eisbrecherflotte liegt: am nordöstlichen Ende der Halbinsel Katajanokka, die vom Hafen aus nach Osten ragt. Auf Katajanokka gibt es schöne Jugendstilbauten, außerdem hat die Mumin-Erfinderin Tove Jansson hier als Kind gewohnt.

P1100394bKatajanokka mit der russisch-orthodoxen Uspenski-Kathedrale

Ich bin diese Route immer abgelaufen, wenn ich in Helsinki war, muss allerdings sagen: Bei einer offiziellen Tour würdet Ihr sicher noch die eine oder andere weitere Sehenswürdigkeit mitnehmen, die zu Fuß nicht so lässig zu erreichen ist. Aber ich würde beim ersten Mal Helsinki den Eindruck vorziehen, den man beim Spazierengehen auf eigene Faust bekommt.

Hyvää matka! (Gute Reise!)

Maria

Hier geht’s zu unseren 10 Gründen, mit Kindern nach Helsinki zu reisen

– und hier zu einem Foto-Spaziergang durch die immerwährende Designhauptstadt Helsinki