Aktuelles Artikel-Update: Die zwei Rekordskulpturen aus der Eiszeit, um die es hier geht, gehören jetzt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die eine von ihnen ist die älteste bekannte Frauendarstellung, die andere das älteste Fabelwesen der Menschheitsgeschichte. Wer in Richtung Schwäbische Alb kommt, findet den Löwenmenschen bei einem Abstecher nach Ulm, die Venus vom Hohle Fels in Blaubeuren.

Ulm: der Löwenmensch

Es kommt selten vor, dass einer 35000 bis 40000 Jahre alt wird und sich dann noch weiterentwickelt. So allerdings erging es der Skulptur des Löwenmenschen. Die eiszeitliche Figur aus Mammutelfenbein ist die älteste bekannte Darstellung eines Mischwesens aus Mensch und Tier. Ihre Einzelteile hatte man vor dem Zweiten Weltkrieg in der Hohlenstein-Stadel-Höhle auf der Schwäbischen Alb gefunden, Jahrzehnte später zusammengesetzt und im Ulmer Museum ausgestellt. Von dort aus wurde der Löwenmensch mit seiner charakteristischen Figur zu einem Wahrzeichen der Stadt; jedes Kind kannte das Urzeitwesen.

Bis es sein Aussehen im Jahr 2013 drastisch veränderte. Bei neuen Grabungen hatte man weitere Einzelteile der Statuette gefunden. Monatelang wurde am Eiszeitpuzzle Löwenmensch gearbeitet. Die alte Figur wurde auseinandergenommen, die neuen Teile eingepasst – mit Fingerspitzengefühl und High-tech. Seit Ende 2014 ist der Löwenmensch im Ulmer Museum größer, vollständiger und imposanter, als man ihn kannte, und hat sich eindeutig als männliches Wesen entpuppt.

Blaubeuren: die Venus vom Hohle Fels

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Höchst weiblich ist die Venus vom Hohle Fels. Studenten fanden sie 2008 bei Grabungen in Schelklingen, ebenfalls in Schwaben. Nach kurzer Recherche stellte man fest, dass man auf ein spektakuläres Kunstwerk gestoßen war: Die etwa 40000 Jahre alte Venus aus der Hohle-Fels-Höhle ist die älteste bekannte Frauendarstellung der Menschheit. Ein so kleines wie üppiges Fruchtbarkeitssymbol aus Mammutelfenbein, das statt eines Kopfes eine Anhängeröse trägt.

Seit Mai 2014 hat die Venus ihre eigene Museumshöhle in Blaubeuren. Im dortigen Urgeschichtlichen Museum ist ihr ein runder, abgedunkelter Raum gewidmet. In einer kleinen Vitrine steht die archaische Mutter, gibt ihren Körper preis, behält viele Geheimnisse für sich und überzeugt in der Bescheidenheit ihrer sechs Zentimeter Körpergröße mühelos davon, dass sie zu den Frauen gehört, die man gesehen haben sollte.

Höhlen und Eiszeitkunst werden UNESCO-Welterbe

Eiszeitkunst Schwäbische Alb

Ulm im Sommer 2017: zufrieden über die Welterbe-Entscheidung

Der Löwenmensch und der Venus vom Hohle Fels sind nicht die einzigen eiszeitlichen Kunstwerke, die in den Höhlen der Schwäbischen Alb gefunden wurden. Verschiedene Tierfiguren gehören dazu und ebenso aus Knochen von Singschwänen, Gänsegeiern und Mammuts geschnitzte Flöten. Im Sommer 2017 sind die sechs wichtigsten Fundstätten, allesamt Höhlen im Ach- und Lonetal im Umkreis von Ulm, zusammen mit den dort ausgegrabenen Kunstwerken von der UNESCO zum Welterbe erklärt worden. Es ist nicht zu erwarten, dass die stille Schwäbische Alb deshalb zur Hochburg des internationalen Kulturtourismus wird, aber ein bisschen mehr Bekanntheit kann den beeindruckenden Höhlen und Kunstwerken nicht schaden. Dass diese uralten Dinge und ihre geheimnisvollen Fundstätten auch für Kinder sind, muss vermutlich nicht eigens erklärt werden.

Fotos: oben: (c) Ulmer Museum, unten: (c) Urgeschichtliches Museum Blaubeuren