Zwei Rekordskulpturen aus der Eiszeit: eine die älteste Frauendarstellung, eine das älteste Fabelwesen der Menschheitsgeschichte. Wer in Richtung Schwäbische Alb kommt, findet den Löwenmenschen bei einem Abstecher nach Ulm, die Venus vom Hohle Fels in Blaubeuren.

Ulm: der Löwenmensch

Es kommt selten vor, dass einer 35000 bis 40000 Jahre alt wird und sich dann noch weiterentwickelt. So allerdings erging es der Skulptur des Löwenmenschen. Die eiszeitliche Figur aus Mammutelfenbein ist die älteste bekannte Darstellung eines Mischwesens aus Mensch und Tier. Ihre Einzelteile hatte man vor dem Zweiten Weltkrieg in der Hohlenstein-Stadel-Höhle auf der Schwäbischen Alb gefunden, Jahrzehnte später zusammengesetzt und im Ulmer Museum ausgestellt. Von dort aus wurde der Löwenmensch mit seiner charakteristischen Figur zu einem Wahrzeichen der Stadt; jedes Kind kannte das Urzeitwesen.

Bis es sein Aussehen im letzten Winter drastisch veränderte. Bei neuen Grabungen hatte man weitere Einzelteile der Statuette gefunden. Monatelang wurde am Eiszeitpuzzle Löwenmensch gearbeitet. Die alte Figur wurde auseinandergenommen, die neuen Teile eingepasst – mit Fingerspitzengefühl und High-tech. Jetzt ist der Löwenmensch größer, vollständiger und imposanter, als man ihn kannte, und hat sich eindeutig als männliches Wesen entpuppt. Seit Ende 2014 steht die restaurierte Statuette im Ulmer Museum.

Blaubeuren: die Venus vom Hohle Fels

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Höchst weiblich ist die Venus vom Hohle Fels. Studenten fanden sie 2008 bei Grabungen in Schelklingen, ebenfalls in Schwaben. Nach kurzer Recherche stellte man fest, dass man auf ein spektakuläres Kunstwerk gestoßen war. Die etwa 40000 Jahre alte Venus aus der Hohle-Fels-Höhle ist die älteste bekannte Frauendarstellung der Menschheit. Ein so kleines wie üppiges Fruchtbarkeitssymbol aus Mammutelfenbein, das statt eines Kopfes eine Anhängeröse trägt.

Seit Mai 2014 hat die Venus ihre eigene Museumshöhle in Blaubeuren. Im dortigen Urgeschichtlichen Museum ist ihr ein runder, abgedunkelter Raum gewidmet. In einer kleinen Vitrine steht die archaische Mutter, gibt ihren Körper preis, behält viele Geheimnisse für sich und überzeugt in der Bescheidenheit ihrer sechs Zentimeter Körpergröße mühelos davon, dass sie zu den Frauen gehört, die man gesehen haben sollte.

Fotos: oben: (c) Ulmer Museum, unten: (c) Urgeschichtliches Museum Blaubeuren