Im Bundesstaat Virginia haben sich entscheidende Kapitel der amerikanischen Geschichte abgespielt – und ihre Spuren gehören zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die US-Bürger im eigenen Land besuchen. Wir haben den Test gemacht: Wie fühlt sich das historische Virginia an, wenn man mit einer deutschen Familie zwischen Kolonialzeit und Fünfzigerjahren hin- und herreist?

1. Erstmal was zu essen: die Michie Tavern in Charlottesville

Michie Tavern, Charlottesville

Essen wie im 18. Jahrhundert – oder wenigstens so ähnlich: die Michie Tavern in Charlottesville

Lassen wir es langsam angehen. Wir müssen uns erst an die großen Themen der amerikanischen Geschichte herantasten, und das lässt sich in Charlottesville gut beim Essen bewerkstelligen. Von der Michie Tavern (siehe auch Bild ganz oben), die im Kolonialstil eingerichtet ist und Südstaaten-Gerichte aus dem 18. Jahrhundert serviert, hatten wir vor  unserer Reise gelesen. Die Bedienungen sollten historische Kostüme tragen, das Ganze schien eine Art kulinarisches Reenactment darzustellen. Meine „Touristen-Nepp“-Alarmglocken begannen ziemlich schnell zu klingeln, aber zum Glück haben Freunde von uns sie wieder ausgeschaltet. Diese Freunde haben nämlich jahrelang in Charlottesville gelebt und uns versichert, dass die Michie Tavern nicht nur ein origineller Ort ist, sondern auch leckere Mahlzeiten anbietet.

Virginia mit Kindern: Zeitreise

Virginia mit Kindern: kulinarischer Einstieg in die Kolonialzeit

Restauranttipp Virginia mit Kindern: Michie Tavern

Rustikal und ziemlich lecker: Die Michie Tavern ist definitiv einer unserer Virginia-Familientipps

Man reicht uns Metallteller, die wir am rustikalen Buffet füllen: mit gestampften Kartoffeln, Bohnen, Rüben, fantastischem Pulled Pork und Fried Chicken. Die Räume des Restaurants, das von 1784 an tatsächlich als Landgasthof diente, sind niedrig, schummrig und mit Holz ausgekleidet, die Kellnerinnen zwar verkleidet, ansonsten aber auf sehr zeitgenössische Weise serviceorientiert. Unsere Töchter genießen bei dieser Mahlzeit alles: die skurrile Atmosphäre der Gaststuben, das Blechgeschirr, das Buffet-Prinzip und die frugale Optik der Speisen, die auf den ersten Blick nicht verrät, wie lecker sie sind. Die Michie Tavern wird nach der Reise zu ihren Highlights gerechnet werden, und auch wir sind froh, dort gewesen zu sein. Zumal der älteste Teil des Hauses als Museum erhalten wurde, in dem man man mit eigenen Augen sehen kann, wie es so zuging in einer Taverne, die kurz nach der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten eingerichtet wurde.

2. Monticello: Besuch auf Thomas Jeffersons Landsitz

Nach der Michie Tavern sind wie bereit für Monticello, das keine fünf Autominuten von dem Gasthaus entfernt liegt. Monticello ist für Amerikaner eine historische Sehenswürdigkeit ersten Ranges und für viele der Hauptgrund, das Universitätsstädtchen Charlottesville zu besuchen. Monticello war der Landsitz von Thomas Jefferson, dem wichtigsten Autor der 1776 verabschiedeten amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, der später von 1801 bis 1809 der dritte Präsident des noch jungen Staates war. Das Anwesen in den Hügeln bei Charlottesville hatte er – komplett mit Sklaven – von seinem Vater geerbt, und die Bewirtschaftung seiner Plantagen besaß zeitlebens eine große Bedeutung für den Politiker, dem sie als Einkommensquelle ebenso wie als Experimentierfeld für fortschrittliche Ideen dienten. Dass der Autor des Satzes „all men are created equal“, der die Sklavenhaltung auf einer theoretischen Ebene denn auch veurteilte, Schwarze als Sklaven für sich arbeiten ließ, ist einer der großen Widersprüche in der Biographie dieser amerikanischen Gründerfigur.

Monticello, UNESCO World Heritage

Architektur-Highlight und UNESCO-Welterbe: Monticello / (c) Jack Looney

Die historische Bedeutung Jeffersons ist dennoch nicht zu bestreiten. Als wir an einem schwülheißen Abend zu einer der letzten Führungen des Tages in Monticello ankommen, sind die Besucherströme, die mir beim Ticketkauf am Nachmittag begegnet waren, deutlich abgeebbt. Es ist Sonntag, und Monticello scheint ein beliebtes Familienausflugsziel zu sein, zu dem Eltern und Großeltern mit schöner Selbstverständlichkeit auch kleine Kinder mitnehmen. Wir als Deutsche haben andere Startbedingungen bei unserem Monticello-Familienausflug mit einem 13- und einem 16-jährigen Teenager. Schließlich ist Thomas Jefferson für uns bei aller Berühmtheit kein „household name“, mit dem wir aufgewachsen wären wie Amerikaner. Um meinen Töchtern seine Bedeutung einigermaßen zu verdeutlichen, trage ich ihnen vorab das berühmte Diktum Kennedys vor. Der hatte bei einem Dinner mit Nobelpreisträgern gesagt: „Ich glaube, dies ist die außergewöhnlichste Versammlung von Talent und menschlichem Wissen, die je im Weißen Haus zusammengekommen ist – vielleicht mit der Ausnahme, wenn Thomas Jefferson allein zu Abend aß.“

Monticello: Book Room

Refugium eines Universalgelehrten / (c) Thomas Jefferson Foundation at Monticello

Wir brauchen nur wenige Minuten in Jeffersons Wohnhaus zu verbringen, um zu erfahren, dass er hier wesentlich lieber zu Abend aß als im Weißen Haus. Der begnadete Jefferson war auf vielen Gebieten versiert und betätigte sich auch als Architekt. Monticello war sein Entwurf: inspiriert von der Renaissance und der klassizistischen Architektur, die in Europa gerade im Trend lag. Mit dem Landsitz hatte sich Jefferson sein persönliches Refugium geschaffen, das noch heute viel über die Biographie und die nahezu endlosen Interessen dieses Universalgelehrten der Aufklärung verrät. Die Innenräume von Monticello lassen sich nur im Rahmen einer geführten Tour anschauen, und das muss man den Amerikanern lassen: Den Horror, den unsere Töchter normalerweise vor Führungen haben, gewöhnen sie sich nach wenigen Tagen USA ab – denn hier sind die Guides witzig, fesselnd und unterhaltsam. Wir Eltern finden, dass das Reisen mit Teenagern zwar ein wenig zu handylastig ist, dass ihre Englischkenntnisse aber ein unbestreitbares Plus darstellen.

Moticello: vegetable garden and pavilion

Jeffersons Gemüsegarten mit Pavillon

Monticello – eine UNESCO-Welterbestätte – ist nicht nur wegen des Wohnhauses sehenswert, sondern auch um seiner landschaftlichen Anlage willen. Wäre es nicht so entsetzlich schwül gewesen, hätten wir uns sicherlich länger auf dieser historischen Plantage mit herrlichem Blick ins grüne Virginia aufgehalten. Besonderen Interesses erfreut sich die Mulberry Row, der zentrale Weg des landwirtschaftlichen Ensembles, an der sowohl die freien als auch die versklavten Plantagenarbeiter zu Jeffersons Zeiten ihre Wohnhäuser und Werkstätten hatten. Das Leben an der Mulberry Row ist ausführlich dokumentiert, wenngleich man von den ehemaligen Gebäuden nicht mehr viel sieht. Es gibt eine Tour mit dem Titel „Slavery at Monticello“, die uns interessiert hätte, aber das Wetter erstickt unseren Unternehmungsgeist.

3. Der amerikanische Retro-Traum: Timberlake’s Drugstore in Charlottesville

Charlottesville mag ein Highlight sein für alle, die sich für die Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten interessieren, aber es ist auch eine sehr zeitgenössische und lebendige Universitätsstadt. Durch ihr Zentrum verläuft die Downtown Mall, eine der längsten amerikanischen Fußgängerzonen voller herrlicher Cafés, Restaurants, Design-Shops und Buchhandlungen, Buchhandlungen, Buchhandlungen. Zwischen den vielen Ladeneingängen findet sich auch der relativ unscheinbare von Timberlake’s Drugstore. Ohne den Tipp unserer ortskundigen Freunde hätten wir Timberlake’s komplett übersehen – und uns damit um einen unserer absoluten Amerika-Höhepunkte gebracht.

Charlottesville: Timberlake's Drugstore

Portal in eine andere Zeit: die Tür von Timberlake’s Drugstore in der Downtown Mall von Charlottesville

Die Tür der traditionsreichen Institution ist das Portal in eine andere Zeit – und zwar genau in die Epoche, die das weltweite Amerika-Bild optisch geprägt hat wie keine andere. Timberlake’s ist ein traditioneller Drugstore, wie man ihn in Filmen und auf Bildern sieht, wie es ihn heute aber fast nur noch in Form hipper, neu aufgelegter Retro-Varianten gibt.

Timberlake's, Downtown Mall, Cville

Wir dachten, solche Orte gibt es nur noch im Film

Timberlake's: a traditional drugstore in Charlottesville

Vorne Apotheke,hinten Café: Timberlake’s Drugstore

Timberlake's: a traditional drugstore in Charlottesville, VA

Bei Timberlake’s wird unser American Dream Realität

Aber Timberlake’s ist echt. Der Laden wurde 1890 gegründet und ist seither sowohl eine vollwertige Apotheke als auch ein Café: ein Drugstore eben. Die Einrichtung sieht original aus wie in jedem soliden amerikanischen Film der Fünfzigerjahre. Grün-weißer Boden im Schachbrettmuster. Rot gepolsterte Hocker an einer niedrigen Theke mit gerundeten Ecken. Ventilator. Coca-Cola-Schriftzüge, wohin man schaut.

American food: Timberlake's, Charlottesville

Lemonade und ein egg salad sandwich: Was braucht man mehr?

Timberlake's, Charlottesville

Echter geht’s nicht: Timberlake’s Drugstore

Die Speisekarte hält, was das Design verspricht: hausgemachte Sandwiches voller Kalorien, wahnsinnig lecker; Eisportionen, die sogar für meine Töchter zu groß sind; frisch hergestellte Limonaden mit viel, viel Zucker. Die ältere Dame, die uns bedient, ist dunkelhäutig und ein wenig grimmig, sie könnte jedem historischen Südstaaten-Film entsprungen sein. Das ist alles fast zu klischeehaft, um wahr zu sein. Aber es ist real, die Locals von Charlottesville essen gerne ihr Mittag bei Timberlake’s, und auf den Regalen der vorderen Räumen des Etablissements drängt sich denn auch alles von der Kopfschmerztablette bis zum Rollator: schlagender Beweis dafür, dass es sich bei diesem Drugstore nicht um eine Retro-Kreation für den Hipster des 21. Jahrhunderts handelt.

4. Schöner studieren: die University of Virginia

Zurück zu Jefferson. Ohne den wäre Charlottesville nicht das, was es ist, denn Jefferson hat dort 1819 die University of Virginia gegründet, das Herz der Stadt. Wie sein Landsitz Monticello gehen auch die Universitätsgebäude auf einen Entwurf Jeffersons zurück; beide gehören zum UNESCO-Welterbe. Die University of Virginia ist berühmt für ihre klassizistische Anlage rund um den Lawn, den Rasen, an deren Seiten Professoren und ausgewählte Studenten wohnen. Das alles ist sehr schön, aber was unseren Töchtern und uns am meisten Eindruck macht, ist der Funke vom Spirit dieser berühmten amerikanischen Bildungsanstalt, der auf eine in Europa nahezu undenkbare Weise auf uns überspringt.

University of Virginia: Rotunda

Blick vom Lawn auf die Rotunda der University of Virginia

Es geschieht, als wir im Trolley sitzen, einem altmodischen Bus, der Touristen und Einheimische kostenlos durch die Inenstadt und das Universitätsviertel der Stadt Charlottesville fährt. Ein junger Mann mit einem Baby in der Bauchtrage spricht meine vor ihm sitzenden Töchter auf Deutsch an und erzählt uns von seinen deutschen Vorfahren. „Und was wollt ihr in Charlottesville sehen?“, fragt er. Ziemlich schnell unterhalten wir uns alle, wechseln ins Englische, kommen auf die nahegelegene Universität zu sprechen. „Do you want to take a tour?“, fragt er. Wir sagen: Ja, das haben wir noch vor. „Do you want it now?“, fragt er, und nach wenigen Minuten stehen wir mit einem Charlottesviller Neurowissenschaftler auf dem Gelände seiner akademischen Heimat und lassen uns Geschichte und Anekdoten erzählen. Unser Guide kennt sich nicht nur gut aus, er liebt diese Universität auch mit einer Begeisterung, die kaum ein Deutscher seiner Alma Mater je entgegenbringen wird. Er berichtet von den rechtsextremen Demonstrationen, die Charlottesville im letzten Sommer erschütterten und die er von der Rotunda, dem zentralen Kuppelbau der Universität, miterlebt hat: Plötzlich seien auf der idyllischen akademischen Anlage Mitglieder des Klu-Klux-Klans in ihren weißen Gewändern erschienen, die ganze Situation sei unfassbar gewesen.

UVA, Charlottesville

Alles geplant von Jefferson: Lässt es sich schöner studieren als in Charlottesville?

Eine Stunde lang zeigt uns ein Mensch, von dessen Existenz wir vor zwei Stunden noch keine Ahnung hatten, die University of Virginia. „But do you have the time?“, fragen wir immer wieder. Oh ja, er habe mit seiner kleinen Tochter nur spazierengehen wollen. „Das ist doch unglaublich“, raunen mir die Töchter wiederholt zu, „sowas würde uns in Deutschland niemals passieren!“ Nein, niemals. Sowas passiert einem in Amerika.

5. The White Spot in Charlottesville und der beste Burger unseres Lebens

Charlottesville: The Corner

Die Polizei, dein Freund und Restaurantguide

The Corner, Charlottesville

„The Corner“, das Universitätsviertel von Charlottesville

„Da gehen wir rein, da kommen Polizisten raus“, sagt mein Mann, als wir am Burger-Shop The White Spot vorbeikommen. Er hat aus irgendeinem Krimi gelernt, dass Polizisten hervorragende Restaurantguides sind, wenn man wissen will, wo es gut und günstig ist. Ich habe von unseren Virginia-kundigen Freunden gelernt, dass The White Spot  eine legendäre Adresse ist. Das kleine Burger-Restaurant liegt in Charlottesvilles „The Corner“ genanntem Universitätsviertel und kann etwas, was viele andere Burgerbratereien nicht können. Was genau das Geheimnis des unspektakulären kleinen Ladens ist, konnten wir nicht wirklich ergründen, aber die völlig Schnickschnack-freien Burger sind ein kulinarischer Genuss und nicht nur, wie an den meisten vergleichbaren Orten, eine sättigende und befriedigende Angelegenheit.

The White Spot, Charlottesville: GUS Burger

Vorne rechts: der berühmte GUS Burger

The White Spot in Charlottesville, VA

Amerikanisches Retro-Flair: The White Spot in Charlottesville

Ich probiere den GUS Burger, einen Hamburger mit Spiegelei, der an diesem Ort kultisch verehrt wird – zum Beispiel durch Fan-T-Shirts, die ihm gewidmet sind. Das legendäre Brötchen ist in Aroma, Konsistenz und Temperatur das Beste, was ich in der Burgerwelt je gegessen habe. Sollte jemand auf der Suche nach der platonischen Idee des reinen Burgers sein, versuche er es beim White Spot, wo alles vor den Augen der Gäste zubereitet wird. Das Ambiente des vor allem aus einer Theke und dem Grill bestehenden Restaurants ist klasse: ein schönes buntes Sammelsurium von Erinnerungen an die wichtigsten Momente des White Spot – nicht zuletzt an die großen Gewinner von Burger-Wettessen. Wieder so ein Ort mit American-Retro-Flair, in dem wir uns ein bisschen wie in einem College-Film vorkommen.

6. Virginia mit Kindern: Unterhaltsamer Geschichtstourismus in Colonial Williamsburg

Charlottesville hat es uns angetan, und da wir während unserer zweiwöchigen Reise nicht alles machen können, streifen wir das Historic Triangle von Virginia nur kurz. Rund zweieinhalb Stunden von Charlottesville entfernt liegen die Orte Yorktown, Jamestown und Williamsburg, allesamt geschichtsträchtige Orte, dies sich das Konzept der „living history“ auf die Fahne geschrieben haben.

Colonial Williamsburg: Capitol

Das Kapitol von Colonial Williamsburg

Wir beschränken uns auf einen Vormittag in Colonial Williamsburg. Williamsburg war im 17. und 18. Jahrhundert die Hauptstadt Virginias. Nachdem Richmond diese Rolle übernommen hatte, verlor Williamsburg seine Bedeutung – bis in den 1920-er Jahren die Restaurierung der Stadt im Zeichen der Geschichtsbegeisterung initiiert wurde. John D. Rockefeller steckte beträchtliche Summen in den Wiederaufbau des historischen Teils Williamsburgs als Freilichtmuseum über die Kolonialzeit. Seit den 1930-er Jahren wird in den Straßen und Gebäuden des Städtchens das 18. Jahrhundert nachgespielt: in Restaurants, Werkstätten und Gebäuden des öffentlichen Lebens.

Colonial Williamsburg, Virginia

Geschichte mit Entertainment-Faktor in der Hauptstraße von Colonial Williamsburg

Historical Post Office, Colonial Williamsburg

Im historischen Post Office

Als wir in Williamsburg sind, ist wieder einmal sehr schwül und heiß in Virginia, deshalb entscheiden wir uns für einen Kurzbesuch, für den wir nicht einmal bezahlen müssen: Verzichtet man auf das Betreten der Gebäude, in denen historische Vorführungen stattfinden, kann man ohne den Kauf einer Eintrittskarte durch das sehr schmucke Örtchen spazieren, Läden und Restaurants betreten, auf der Straße kostümierte Personen bewundern und die Atmosphäre dieses Historien-Themenparks schnuppern. Die Eindrücke unserer Familie reichen von „sehr schöner Ort“ bis zu „steril“. Wer Virginia mit Kindern besucht und sich Cononial Williamsburg als einzigen historischen Ort vornimmt, dem sei auf jeden Fall ein ausführlicher Besuch mit Eintrittskarte empfohlen; uns jedoch reicht nach den Tagen in Charlottesville die abgespeckte Variante.

7. Kurz noch ein bisschen Civil War: Abstecher nach Richmond und Malvern Hill

Mindestens ein Civil War Battlefield, hatten wir uns vor unserer Reise gesagt, wollen wir in Virginia sehen. Schließlich fanden entscheidende Episoden des amerikanischen Bürgerkriegs in dieser Gegend statt, und die Schlachtfelder, so unser Eindruck im Vorfeld, gelten vielen Amerikanern als Nationalheiligtümer.

Civil War Merchandise

Bürgerkriegs-Einkaufstasche

Civil War Museum Richmond

Patronen-Bonbons finden wir ziemlich schrecklich

Um uns zu orientieren, machen wir im American Civil War Museum in Virginias Hauptstadt Richmond halt. Mein Mann und ich lernen in den Ausstellungshallen eines alten Fabrikgebäudes eine Menge, unsere Töchter ziehen sich in irgendeine Ecke zurück und verweigern die Bildung. Was ihnen allerdings nicht entgeht, sind ein paar Blüten des amerikanischen Patriotismus. Dass der Civil War auf Einkaufstaschen glorifiziert wird, mag ja noch hingehen. Aber beim „Cartridge Candy“, einem Bonbon in Patronenform, bleibt uns das Lachen im Hals stecken.

Malvern Hill Battlefield

Bürgerkriegs-Schlachtfeld am Malvern Hill

Unser Schlachtfeld erreichen wir nach einer knappen halben Stunde Autofahrt: Auf dem Malvern Hill Battlefield fand 1862 eine Bürgerkriegsschlacht mit über 10000 Gefallenen statt. Wir stehen vor einer Wiese, auf der ein paar historische Kanonen angeordnet sind. Ein kleiner Unterstand hält Informationstafeln bereit, wir sind die einzigen Besucher und eigentlich ganz erfreut über diesen diskreten Umgang mit einem brutalen Ereignis.

8. Vom Winde verweht? Auf der Berkeley Plantation

Außer einem Schlachtfeld stand auch eine Plantage auf unserer To-do-List für Virginia. Klar, auch mit Monticellos Jefferson hatten wir eine Plantage gesehen, aber letztlich vor allem den Sitz eines großen Staatsmanns. Also fahren wir vom Malvern Hill Battlefield zwanzig Minuten zur Berkeley Plantation. Die für Amerika extrem kurze Distanz ist der beste Beweis für die Bedeutung, die diese Gegend um den James River für dieBesiedelung der USA hatte.

Berkeley Plantation

Das georgianische Wohnhaus der Berkeley Plantation am James River

Die Berkeley Plantation wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Engländern gegründet; 1726 erbaute die Eigentümerfamilie Harrison das Haus, das heute als Museum zu besichtigen ist. Die Harrisons gehörten nicht nur zu den großen frühen Siedlerfamilien Virginias, ihr entstammten auch viele politisch bedeutsame Persönlichkeiten – darunter zwei US-Präsidenten.

Berkeley Plantation tour

Geschichte wird in Virginia gern in historischen Kostümen vermittelt

Berkeley Plantation: James River view

Herrensitz mit Blick auf den James River

Heute ist die Plantage eine grüne Idylle: im Grunde ein Landschaftspark am Fluss. Eine kostümierte Dame führt uns durch das Herrenhaus, das um einiges weniger prächtig ist als die Bleibe von Scarlett O’Hara. Gegenüber britischen Anwesen wirkt der Bau, der zu seiner Zeit Austragungsort großer gesellschaftlicher Ereignisse war, fast bescheiden – denn in der Neuen Welt herrschten andere Prioritäten als in Good old England. Natürlich funktionierte auch die Berkeley Plantation dank der Arbeit von Sklaven. Unsere Führerin betont, die Familie Harrison habe zu denen gehört, die ihre Sklaven relativ gut behandelt hätten. Über Jeffersons Umgang mit seinen Sklaven auf Monticello hatten wir dasselbe gehört. Meine Hoffnung, dass wir bei unserem Plantagenbesuch eine Vorstellung von der harten Arbeit ausgebeuteter Schwarzer auf großen Feldern bekommen würden, erfüllt sich nicht. Diese Kapitel scheinen an Orten wie Berkeley weit entfernt zu sein. Man versucht, sie ins Humane zu rücken, so gut man kann. Das spricht natürlich für ein erfreuliches Bewusstsein um das geschehene Unrecht, nimmt der historischen Realität aber auch etwas von ihrer Schärfe.

Berkeley Plantation slavery

Ein Gemälde zeigt, wie die Arbeit auf der Berkeley Plantation einst ausgeshen haben mag