INWIEFERN GEHT DESIGN KINDER UND JUGENDLICHE AN? #DESIGN-DIENSTAG

Auf dem Land ist es grün, in der Stadt grau: Im Großen und Ganzen war man sich seit Beginn der Industrialisierung viele Jahrzehnte lang einig über die Farben der unterschiedlichen Lebensräume.

Aber die Welten beginnen zu verschmelzen. In einer Zeit, in der die Mehrheit der Menschen in Städten lebt, holen wir uns das wohltuende Grün zusehends in die Metropolen hinein. Bienen werden auf Großstadtdächern gehalten, und Urban Gardening ist zum Megatrend aufgestiegen. Das macht die Städte gesünder und schöner – während die Natur, die uns auf dem Land begegnet, bei weitem nicht so unberührt und intakt ist, wie wir es gerne hätten.

Ganz offenbar wollen wir die neue urbane Natur möglichst intensiv erleben. Während die Digitalisierung voranschreitet, ist die Pflanze im Raum zum dominanten Designthema geworden. Wir verwandeln unsere Wohnungen in Orte üppigen Wachstums, indem wir sie mit großblättrig-tropischen Monsteras dekorieren – und wenn wir keine Zeit zum Gießen haben, behelfen wir uns mit Monstera-Accessoires. Interiordesigner kreieren gastronomische Biotope, dank derer wir für die Dauer eines Kaffees oder auch für eine Hotelnacht im Urban Jungle relaxen können: zwischen wuchernden Pflanzen, umgeben von rustikal an Hanfseilen hängenden Leuchten, Blumenampeln und manchmal sogar Hängematten.

Dass Pflanzen Wohnräume zieren, ist natürlich nichts Neues. Vom kleinbürgerlichen Veilchen auf der Fensterbank bis zum luxuriösen Wintergarten: Die Zimmerpflanze ist seit jeher beliebt. Im Urban Jungle aber wuchert sie, macht sich den Raum zu eigen wie die schnell wachsende Monstera, sprießt von Decken und Wänden und verhilft uns zu dem guten Bewusstsein, inmitten der digitalen und urbanen Alltagswelt eingebunden zu sein in die übergeordneten Lebenszyklen der Natur.

Der Urban-Jungle-Trend mag sich wunderbar für Inszenierungen mit hohem hipsterischem Marketing-Effekt eignen, mag Naturverbundenheit und ökologisches Engagement signalisieren, ohne dass etwas dahintersteckt. Aber das urbane Grün schafft echte Oasen, das muss man ihm lassen, und in manchen Situationen kann schon ein Monstera-Notizbuch für einen kleinen mentalen Energieschub sorgen.

Was es mit dem DESIGN-DIENSTAG auf sich hat, steht hier

Übrigens: Die Urban Jungles auf den Fotos oben sind gastronomischer Art. Das linke Bild zeigt den Eingangsbereich des überaus hippen Cafés House of Small Wonder in Berlin-Mitte, das rechte die UF Poké Bar in Hamburg am Gänsemarkt.