Warum unsere Töchter und wir bereits an unserem ersten Japan-Nachmittag nach zwei Fahrten mit Tokioter Taxis wissen, dass wir in einem wunderbaren Land angekommen sind.

Alles läuft wie von Zauberhand

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Ja, es sind Spitzenbezüge. Weiß und festlich liegen sie über den Sitzen und Kopfstützen des Taxis. Der Taxifahrer trägt weiße Handschuhe. Zwei kleine Details, die uns mitteilen: Hier haben wir es nicht mit einer banalen Dienstleistung zu tun, die auf Seiten des Fahrers ebenso wie auf Seiten des Passagiers mit missmutiger Eile abgehandelt wird. Sondern wir begegnen einem Berufsstand, der seinen Kunden und sich selbst gleichermaßen große Achtung entgegenbringt. Mit selbstverständlichem Interesse an einem reibungslosen Ablauf haben uns die Taxifahrer in der Flughafenschlange zu einem Wagen weitergewinkt, dessen Kofferraum groß genug für unsere vier Koffer ist; ohne Zögern hat der Fahrer eines wartenden Taxis seinem Kollegen beim Einladen des Gepäcks geholfen. „Alles läuft wie geschmiert“, wird unsere Elfjährige etwas später über ihre Ankunft in Tokio sagen. In der Tat. Und während unserer zwei Wochen in Japan geht es so weiter, wie es im Taxi beginnt.

Tokio mit Kindern: Taxifahren macht gute Laune

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Zuvorkommend. Hilfsbereit. Freundlich – und kinderfreundlich. Denn für einen Taxifahrer, der eine Handvoll Süßigkeiten mit niedlich-schrillen Verpackungen nach hinten reicht, sind auch Vierzehnjährige noch Kinder. Und sie selbst sind es in solchen Momenten ziemlich gern. Die vier Augen meiner Töchter schauen mich ungläubig von der Seite an: In was für einer Welt sind wir hier gelandet? Wo ist die deutsche Grummeligkeit, die Hauptsache-ich-komme-schnell-voran-Kämpfermentalität? Der Taxifahrer lacht viel und zeigt uns, was es auf unserer Route zu sehen gibt. Mit seinem Englisch ist es nicht weit her, aber das macht nichts. Die Verständigung klappt bestens. Weil er es will, weil wir es wollen, weil es internationale Begriffe wie „Baseball“ gibt, Navis zum Draufzeigen und zur Not auch mal Finger, um Zahlen zu erläutern.

Alles so kawaii hier!

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Überall im Taxi hängen kleine Hinweisschilder. Die verstehen wir nun wirklich nicht, aber wir staunen über ihre Bildsprache: alles kawaii. Obwohl Info-Sticker in Taxis sich definitiv nicht an Kinder richten, bringen sie ihre Message mit Hilfe poppig-süßer Figürchen an den Passagier. Auf die Kawaii-Kultur hatten wir uns gefreut, aber wir dachten, sie käme vor allem in der Warenwelt, Unterhaltungsindustrie und Jugendmode vor. Dass selbst der „Salaryman“, der klassische Kunde des Tokioter Taxis, mit lächelnden Gesichtern und quietschigen Tierchen angesprochen wird, erfahren wir bei unseren zwei ersten japanischen Taxifahrten zum ersten und wahrlich nicht zum letzten Mal.

Tiefenentspannung zwischen Hochhausschluchten

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Wir sind angekommen in einer Zivilisation, die uns jeden latenten Eurozentrismus bereits nach zwei Taxifahrten restlos aus dem Hirn gepustet hat. In diesem Land ist der Alltag so geschmeidig wie nur irgend möglich organisiert; von der Taxifahrt bis zur Orientierung auf riesigen Bahnhöfen: Jeden Schritt kann man hier mit Ruhe und innerem Wohlgefühl vollziehen. Wir haben Urlaub, wir fahren durch die Hochhausschluchten einer der größten Metropolen der Erde, und wir fühlen uns wie auf Wolken. Zen, noch bevor wir den ersten Tempel gesehen haben. Und die Kinder? Die nehmen den Unterschied zu der heimischen Mentalität in aller Schärfe wahr und werden ihn in den kommenden zwei Wochen immer wieder aufs Tapet bringen.

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Von der außergewöhnlichen Freundlichkeit, mit der Tokio seine Besucher empfängt, erzählen auch zwei andere Reiseblogs:

Travelisto titelt wunderbar: „Tokio – überhaupt nicht lost in Translation“

– und die Weltwunderer erzählen, wie positiv man die Mentalität dieser Stadt erlebt, wenn man mit drei zum Teil kleinen Kindern unterwegs ist