Das Jahr ist noch nicht vorbei, es können noch einige Flops kommen, aber dieser hat gute Chancen, Flop des Jahres zu bleiben.

Frühjahr 2013, mit elfjähriger Tochter in Paris. Mutter missioniert: „Wir gehen ins Museum of Everything. Das ist nur für kurze Zeit in Paris, da kann man Sachen von Leuten sehen, die eigentlich gar keine Künstler waren und trotzdem tolle Kunstwerke geschaffen haben.“ Das war noch, bevor die Biennale der Outsider-Art zu neuer Konjunktur verholfen hat.

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Der Weg in die neu als Ausstellungsareal eröffnete Chalet Society ist vielversprechend; filmreife Hinterhof-Kulisse. Dann, gleich am Anfang der Ausstellung, Henry Dargers Reigen von kleinen Mädchen mit Penissen. Erste Skepsis bei Mutter und Kind.

Tiefer hinein in ein Reich von Obsessionen. Selbst der Mutter wird ein wenig unwohl. Das Kind fasst seine Kritik an der Unternehmung in salomonische Sätze: „Ich habe mir das hier ganz anders vorgestellt“, gefolgt von: „Mit einem noch jüngeren Kind als mir würde ich nicht in diese Ausstellung gehen.“ Ebensowenig, denkt sich die Mutter, mit einem älteren. War nicht so eine gute Idee, das mit der Outsider Art. Auch die Mutter findet nicht die erhoffte ästhetische Frische, sondern fühlt sich irgendwie voyeuristisch.

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Wieder was gelernt: Wenn jemals wieder Outsider Art mit Kindern, dann in kleinen, wohlproportionierten Dosen.
Aber die Location war toll.

Für die, die es interessiert: Das Museum of Everything ist eine Sammlung, die keinen festen Ausstellungsort hat, sondern mal hier, mal da gezeigt wird.