Wo sind wir? Was ist geschehen mit der Welt, seit wir von der Rue de Rivoli durch die Tür des Musée des Arts Décoratifs und in die Ausstellung des Italieners Piero Fornasetti getreten sind?

Alles ist seltsam in dem Raum, in dem wir uns wiederfinden.

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Ein wenig antikisch-römisch, aber im alten Rom war die Architektur echt und nicht auf Paravents und Hausanzüge gedruckt.

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Auf einer Tischplatte eine gefährlich-schöne Schlange mit verführerisch rotem Apfel im Maul. Was die will, wissen wir seit Adam und Eva.

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Bloß nicht drauf einlassen, sonst verlieren wir völlig den klaren Kopf.

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Aber wie viel klarer Kopf ist möglich zwischen Tellern, die im Raum schweben, und von denen uns Augen mit dunklem Blick anschauen? Die Augen der Opernsängerin Lina Cavalieri, die Fornasetti immer und immer wieder als Modell wählte.

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Da gibt’s nur eins: Hingabe an das irrsinnige, illusionistische, surreale und ganz extrem italienische Universum des Malers und Dekorateurs Piero Fornasetti, der von 1913 bis 1988 lebte, alte Bücher liebte, seine Kreativität durch sie speiste und jedes nur denkbare Ding mit seinen Lieblingsmotiven überzog – Teller, Möbel, Schirmständer, Krawatten, Fahrräder, Halstücher, und alles davon nicht einmal, sondern unzählige Male.

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Unzählige Varianten von Fornasetti-Gegenständen sind jetzt auch in seiner großen Retrospektive im Pariser Musée des Arts Décoratifs ausgestellt und verwandeln die Räume in eine nostalgische, zirkushafte, wunderbar sinnenverwirrende Welt. Alice im Wunderland würde sich hier zu Hause fühlen. „Piero Fornasetti: La Folie pratique“ heißt die Ausstellung: Der praktische Wahnsinn. Den muss man sich anschauen. Wenn’s geht, mit Kindern. Bis zum 14. Juni 2015 ist das möglich. Danach verlässt die Fornasetti-Folie das Museum wieder.

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