Lena Marie Hahn war elf Monate lang mit ihrem Mann und zwei schulpflichtigen Söhnen in Europa unterwegs, davon fast die Hälfte der Zeit auf dem Balkan. Über ihre Erfahrungen und Begegnungen hat sie ein Buch geschrieben: DIE ENTDECKUNG EUROPAS – ein spannendes und lebendiges Stück Reiseliteratur.

Als Reiseblogger arbeitet man allein – am heimischen Schreibtisch oder auch an irgendwelchen nomadischen Locations. Aber man hat virtuelle Kollegen: andere Reiseblogger, mit denen man auf dem einen oder anderen Kanal vernetzt ist. Mit etwas Glück lernt man diese virtuellen Kollegen irgendwann in voller Dreidimensionalität kennen. Lena Marie Hahn, die den Familienreiseblog Family4travel betreibt, ist so eine Kollegin. Auf ihrem Blog lese ich schon lange und gerne mit – weil sie schreiben kann, und weil sie wie ich eine Passion für Geschichte und Kultur hegt, die sie in Form spannender Reiseprojekte mit ihren Kindern teilt.

Begegnungen und Gespräche quer durch Europa

Als Lena erwähnte, dass sie im Selbstverlag ein Buch über ihre Langzeitreise zu veröffentlichen plane, war ich sicher, dass sie Interessantes zu erzählen hätte, konnte mir allerdings nicht vorstellen, wie sich dieses Buch von den vielen Reiseberichten auf ihrem Blog unterscheiden würde. Bei der Lektüre jedoch wird schnell klar: DIE ENTDECKUNG EUROPAS ist ein ganz eigenes Stück Reiseliteratur, in dem es in allererster Linie um die vielen Begegnungen mit ganz normalen Menschen geht, die die Familie im Laufe ihres Elf-Monats-Trips getroffen und in Gespräche verwickelt hat: in Gespräche über ihr Alltagsleben und die Stimmungen in den verschiedenen Regionen unseres Kontinents. Lenas Familie ist durch ihre bevorzugte Reiseform prädestiniert für solche Begegnungen, denn Eltern und Kinder sind überzeugte und erfahrene Couchsurfer – vor allem, wie Lena in ihrem Buch gern anmerkt, weil man durch den privaten Kontakt mit den Gastgebern und das hautnahe Miterleben ihres Tagesablaufs viel mehr über das Reiseland erfährt als bei jedem Aufenthalt in einem Hotel oder einer Ferienwohnung.

Mit der Familie auf dem Balkan

In 43 kurzen Kapiteln erzählt Lena Marie Hahn von den einprägsamsten Stationen ihres 21-Länder-Trips – jeweils eingeleitet durch einen knappen Überblick über den Reiseverlauf. In schnellem, direktem Reportagestil nimmt sie ihre Leser zunächst mit durch Osteuropa: über Ungarn und Rumänien nach Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Albanien und schließlich sogar in den Kosovo. Mir selbst wurde gelegentlich schwindlig angesichts der vielen Überquerungen von Grenzen, bei denen ich mir mehrfach eingestehen musste, dass ich sie nicht ohne weiteres auf einer Europakarte einzeichnen könnte. Zum Glück erklärt die Autorin en passant ziemlich viel zur jüngeren Geschichte und politischen Situation gerade der ex-jugoslawischen Staaten – immer eingebettet in ihre eigenen Beobachtungen und die sehr lebendig wiedergegebenen Gespräche mit Einheimischen. Auf diese Weise entsteht im Kopf des Lesers etwas, was Lena selbst oft genug als „Mosaik“ bezeichnet: ein Panorama, das sich peu à peu aus unzähligen Einzelerlebnissen zusammensetzt, das nicht als repräsentative Recherche zu den Zuständen in den verschiedenen Ländern Europas gelten will, das aber doch ein sehr komplexes, buntes und differenziertes Bild ergibt.

Spannende Geschichten aus dem unbekannteren Teil des Kontinents

Über Bulgarien und Griechenland reisen Lena Marie Hahn und ihre Familie langsam wieder heimatlichen Gefilden entgegen. Sie kommen dabei in Italien, Spanien, Portugal und Frankreich vorbei, um nach kurzem Zwischenstopp in der eigenen Wohnung noch einmal per Schiff in Richtung Nordeuropa aufzubrechen. Über die allgemein geläufigen Reiseländer erzählt DIE ENTDECKUNG EUROPAS weniger als über den Balkan – „weil wir da einfach mehr spannende Geschichten, mehr Unerwartetes erlebt haben“, wie Lena mir schreibt. Das macht Sinn; schließlich bekommen wir aus diesen Ländern in der Regel auch viel weniger zu hören als über die Gegend zwischen Griechenland und Norwegen.

Elf Monate, 360 Seiten, kein bisschen Langeweile

Lena erzählt kurzweilig, anschaulich und temporeich – in dem amüsanten, leise ironischen Ton, den auch die Leser ihres Blogs kennen. Das ist gut so, denn bei der Lektüre der immerhin 360 Seiten des Buchs bleibt der Spaß bis zum Ende erhalten. Manchmal hätte ich beim Lesen gerne gerufen: „Stopp! Wo sind wir grade nochmal? Wie sind wir hierhergekommen? Warum sind wir ausgerechnet hier? Und wieso ist zwei Kapitel weiter schon wieder alles anders?“ Aber elf Monate bringt man nicht zwischen zwei Buchdeckel, wenn man ausschweifend wird, und Lena Marie Hahn liebt die Live-Schilderung aufschlussreicher, gut ausgewählter Szenen, die sich nicht nur auf die Impressionen aus ihren Reiseländern beziehen, sondern auch auf ihr eigenes Erleben der Reise, die Stimmung in der Familie, das „Travelschooling“ der Söhne, finanzielle Gesichtspunkte – und auf die Reaktionen ihrer Kinder. Zu letzteren hätte ich noch eine Menge Fragen. Aber vielleicht interviewe ich Lena irgendwann. Oder sie schreibt noch ein Buch. Und es gibt ja auch noch ihren Blog, auf dem sie übrigens zu jedem der Buchkapitel Bilder veröffentlicht hat. Der aber, und das sei hier nochmal ausdrücklich erwähnt, keineswegs die Lektüre des Buches DIE ENTDECKUNG EUROPAS ersetzt.

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