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Schweden mit Kindern: 8 Highlights in Schonen – und ein Aber

Als das eine Kind im Kindergarten war und das andere noch nicht mal, haben wir uns ins südschwedische Schonen – beziehungsweise Skåne – verliebt. So sehr, dass wir wussten: Irgendwann kommen wir zurück in die unaufgeregte Region mit ihren welligen Feldern und Wiesen direkt an der Ostsee. Dieses Jahr war es soweit, und hier ist unsere Auswahl von wieder- und neuentdeckten Highlights. Samt einer kleinen Einschränkung.

1. Ales stenar: nordische Monolithen

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Schwedens Stonehenge? Die in Schiffsform gesetzen Monolithen oberhalb des kleinen Fischereihafens Kåseberga behalten das Geheimnis ihrer Entstehung bis jetzt für sich – die Forschung hat sich noch auf keines der Erklärungsmodelle für ihre Herkunftsgeschichte geeinigt. Fest steht, dass Ales stenar von Menschen errichtet wurden, die die Küste kannten. Das Hügelplateau der Schiffssetzung ist ein fantastischer Ort mit psychedelisch hellblauem Rundum-Ostseeblick. Und fest steht auch, dass der Ort seine Magie nicht verfehlt. Unsere Töchter waren der Meinung, es reiche, dass sie die Ales stenar vor acht Jahren gesehen hätten, und man könne sich den Aufstieg dieses Mal sparen. Um letztlich von diesen Urzeit-Steinen und ihrer Location zwischen Erde, Luft und Wasser genauso in den Bann gezogen zu werden wie wir. Fazit: Diesen Ausflug kann man ruhig alle acht Jahre mal machen; vor allem, wenn man beim ersten Mal erst zwei war.

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2. Olof Viktors: idyllisches Hofcafé

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Wir sind treue Seelen. Acht Jahre lang, während derer unsere Töchter von Kleinkindern zu Teens wurden, wir Tausende von Kilometern zurückgelegt und ungezählte Cafés ausprobiert haben, haben wir von Olof Viktors geträumt: einem Hofcafé zwischen Getreidefeldern, dessen Ambiente jeden Schwedentraum erfüllt. Weiße Bänke auf der Glasveranda, Holzstühle im Garten, heimelige Tische zwischen Bücherregalen, unvergleichliche Torten und Krabbensandwiches. Unter den Gästen lässige Väter mit Bilderbuchkindern in skandinavisch-cooler Kleidung, unangestrengt gutaussehende ältere Damen – und diese vierköpfige deutsche Familie, die hier alle drei Tage mit einer gewissen Maßlosigkeit mehrere Tabletts voller leckerer Dinge bestellt. Wir müssen vorsorgen für die nächsten acht Jahre.

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Ein bisschen Olof Viktors kann man auch mit nach Hause nehmen. Knäckebrot, Kekse, Marmelade, Musli, Teemischungen: Die inzwischen recht berühmte Bäckerei ist auch ein Hofladen mit vielen leckeren Eigenkreationen – zu finden in Glemminge, eine gute Viertelstunde östlich von Ystad.

3. Glimmingehus: Mittelalterburg

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Mitten in der sanften schonischen Idylle tut sich ein Blick ins raue nordische Mittelalter auf: Glimmingehus gilt als eine der besterhaltenen skandinavischen Ritterburgen. Bei ihrer Besichtigung steigt man vom Küchenkeller bis zur Fensterloge für die Burgdamen auf und kann im Hof endlich tun, was man schon immer tun wollte: die Schwester in den Pranger stecken.

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4. An den Strand: Ostsee schnuppern

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Egal, bei welchem Wetter: Schonens Strände sind herrlich. Die Wassertemperaturen eignen sich oft nur für Abgehärtete zum Baden, dafür ist es hier auch an warmen Tagen nicht überlaufen. Perfekt zum Spielen und Spazierengehen.

5. Wanås Konst: Skulpturenwald

P1070484bMary Sibande

Unsere spannendste Neuentdeckung, über die schon ein eigener Beitrag auf diesem Blog erschienen ist: Wanås Konst nahe Kristianstad. Eine Anlage, in der sich Kunst auf ganz einzigartige Weise erleben lässt – und zwar hervorragend zusammen mit Kindern. Mit herkömmlichen Begriffen würde man Wanås Konst als Skulpturenpark beschreiben, aber eigentlich ist es eher ein Kunstwald, in dem man alle paar Schritte Skulpturen, Installationen und Land Art zwischen den Bäumen entdeckt. Viele der Kunstwerke laden zum Klettern, Schaukeln, Sitzen ein. Das gehört zum Konzept dieses Ortes, der auch Leute ansprechen will, die nicht zu den typischen Museumsgängern gehören.

P1060894bMolly Haslund

6. Foteviken: Wikingerdorf

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Foteviken liegt im Südwesten von Schonen, 20 Kilometer südlich von Malmö – an einem Ort direkt am Öresund, an dem nachweislich Wikinger siedelten. Fotevikens Museum ist ein gemäß internationalen Ausgrabungsfunden rekonstruiertes Dorf, das den Alltag der Wikinger im Jahre 1134 lebendig werden lässt. Ein Aussichtsturm erinnert daran, dass Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit ein Muss waren, doch der Rest ist so friedlich, dass das Klischee von den wilden Wikingern schnell auf der Strecke bleibt – und das zu Recht, wie wir lernen. In einem kleinen Museum wird schließlich sogar erklärt, dass die Wikinger keineswegs Helme mit Hörnern trugen. Wer hier mit gehörntem Helm kommt und seine Hörner am Empfang abgibt, bekommt ein Eis.

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Die Besucher spazieren durch die Fischerhütten, Wohnhäuser, das Versammlungshaus des Things und Werkstätten, in denen Handwerker im authentischen Wikinger-Outfit mit den Techniken und Werkzeugen der damaligen Zeit arbeiten.

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Wir waren Anfang September in Foteviken, als die Saison spürbar zu Ende war. Deshalb konnten wir nur einer Handwerkerin zusehen – einer jungen Frau, die winzige Bernsteinperlen herstellte. Wie es in Foteviken aussieht, wenn das Wikingerleben im vollen Gange ist, erzählt der Blog Weltwunderer.

7. Ystad: Fachwerk, Krimis, Heringe

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Inzwischen würde ich drauf wetten: Sagt man irgendwem, dass man in der Nähe von Ystad Urlaub macht, heißt die Antwort garantiert: „Ah, Wallander!“ Ja, Ystad ist die Stadt von Hennig Mankells Kommissar Wallander und bietet erfolgreich Wallander-Touren an, aber auch für Nicht-Wallanderianer lohnt sich das Städtchen. Ystad ist schnuckelig, voll von niedrigen Fachwerkhäusern, die an Dänemark erinnern. Das ist kein Zufall, denn Schonen war bis ins 17. Jahrhundert hinein dänisch, und die Einflüsse wirkten noch eine Weile nach. Der Heringshandel hat Ystad reich gemacht, und die schwedischste aller Mahlzeiten, die ich je gegessen habe – im Restaurant Store Thor am Marktplatz von Ystad -, liegt hundertprozentig in der Tradition:

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Unsere jüngere Tochter ist in diesen Ferien ein großer Ystad-Fan geworden, weil dort das stylischste, eleganteste und neumodischste Schwimmbad steht, in dem wir je waren: die Ystad Arena. Jeder, der die Bedeutung von Design anzweifelt, sollte einmal dort schwimmen gehen: Es fühlt sich definitiv anders an, in so einer bis ins Detail durchdachten, intelligent und geschmackssicher konzipierten Halle zu schwimmen. Außerdem gibt es tolle Extras wie eine Kletterwand im Familienbad. Henning Larsen Architects aus Kopenhagen, die auch hinter Gebäuden wie dem neuen Hamburger Spiegel-Haus stehen, haben die Ystad Arena gebaut – ein Juwel im Gewerbegebiet einer Kleinstadt. Ich weiß nicht, ob ich je wieder ein Schwimmbad auf diesem Blog empfehlen werde, aber das in Ystad hat es verdient. Zumal es sich zu unserer Freude nicht an die ansonsten notorisch kurzen schwedischen Öffnungszeiten hält.

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8. Kulturen: Freilichtmuseum in Lund

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Die Schweden können Freilichtmuseen. Skansen in Stockholm war das erste auf der ganzen Welt. Schon ein Jahr nach Skansens Gründung, 1892, entstand das zweite Freilichtmuseum der Welt – wieder in Schweden; diesmal in der alten Universitätsstadt Lund. Kulturen ist eine Stadt in der Stadt mit Gebäuden aus dem ganzen Land und verschiedenen Epochen; mit historischen Straßenecken, grasbewachsenen Häusern, vielen Bauernhöfen, Arbeiterwohnungen und einer alten Holzkirche.

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An Kinder wird überall gedacht, immerhin ist hier Schweden. Hier eine historische Spielküche, da ein paar Dinge zum Verkleiden, lebensecht nachgestellte Alltagszenen und, last not least: eine Sonderausstellung für Kinder zum Thema Michel – auf Schwedisch Emil – aus Lönneberga: Lönneberga zum Spielen, komplett mit Tischlerschuppen und der Küche, in der das mit der Suppenschüssel geschah. Die schwedischen Kinder leihen sich Michel-Kappen und Ida-Schürzen – und ich muss etwas wehmütig feststellen, dass meine Töchter solchen Attraktionen definitiv entwachsen sind.

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Und nun ein kleines Aber zum Thema Schonen mit Kindern:

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Es ist ein Unterschied, ob man mit sechs oder 14, mit zwei oder zehn verreist. Und Schonen ist für den Urlaub mit kleineren Kindern nach unserer jetzigen Erfahrung eindeutig besser geeignet als mit größeren. Dabei begann alles ganz gut: Die Ankunft in unserem Ferienhaus, einem alten Mühlenhof mit stillgelegter Windmühle, war ein Fest. Schwedenromantik in jeder Ecke, verzauberte Töchter, die verzückt von drinnen nach draußen und durch jede Tür liefen. Aber irgendwann kannten sie das Haus, fanden seine Spinnen so doof wie rettenswert und konnten der ruhigen, etwas einsamen Gegend nichts abgewinnen. In demonstrativer Lautstärke texteten sie eine Karte an eine gemeinsame Freundin: „Vor dem Fenster nur langweilige Felder, nicht mal Wälder.“ Sprich: nicht mal Astrid-Lindgren-Schweden. Schließlich wohnten wir inmitten von Getreidefeldern auf einem der typischen von Bäumen eingefassten, recht einsamen Höfe. Neben uns ein Nachbarhaus, dann lange Zeit nur Felder. Auch für uns Eltern war der Unterschied spürbar: Von der Familienfreundlichkeit, die bei Reisen nach Schweden mit Kindern für so viel Entspannung sorgt, profitiert man viel mehr, wenn die Kids klein sind. Die Ruhe eines abgeschiedenen Ferienhauses ist kein Rahmen mehr, in dem die Kleinen sicher spielen können, sondern wird dank seiner Reizarmut schnell zum Auslöser für Gereiztheit. Fazit: Für einen kürzeren Trip eignet sich Schonen auch mit großen Kindern. Immerhin ist es schön, sympathisch und hat Interessantes zu bieten. Einen ausgedehnteren Urlaub allerdings kann man hier besser mit kleinen Kindern genießen – mit denen ist Schonen ein Paradies.

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Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade „Die besten Reiseziele für Familien in Europa“ teil, die der Blog Reisespatz veranstaltet.

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