In Irland gibt es viele Schafe und viel Geschichte. Was auch immer man sieht: In allem scheint sich ein Kapitel zu verbergen. Eine Reise mit Kindern von Dublin nach West Cork und zurück.

1. GUINNESS UND DAS HARTE, EINFACHE LEBEN

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Sie wollen ins Guinness Storehouse. Ausgerechnet. Es mag Dublins großer Besuchermagnet sein, aber was wollen Kinder im Bier-Museum? Sie brauchten keine 24 Stunden Dublin, um zu ahnen, dass das dunkle Gebräu mit dem cremigen Schaum mehr ist als ein Getränk: Nationalsymbol, optisch stets versehen mit irischer Harfe und der Unterschrift des Brauereigründers Arthur Guinness. Wenn man zu Fuß zum Guinness Storehouse in Dublins Westen geht, gerät man langsam heraus aus dem bunten Leben und hinein in eine Dickens-Welt mit grauen Häusern in trüben Gassen. Das Brauereigelände gibt eine Ahnung von industrieller Revolution. Hier haben handfeste Männer etwas Dunkles, Starkes für ebenso hart arbeitende Männer gebraut: Stout, ursprünglich Porter, erfunden in London für Lastträger. Das war damals. Das Guinness Storehouse inszeniert das Getränk und seine Geschichte mit High-tech, bewahrt aber die schummrige Atmosphäre des alten Lagerhauses, dessen Ausstellungsareal sich über sechs Stockwerke erstreckt und die Form des größten Bierglases der Welt bildet.

2. KILMAINHAM GAOL UND DIE HELDEN DES BEFREIUNGSKAMPFS

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Hierhin wurden sie gebracht, die Aufständischen des Ostermontags 1916. Noch reichte ihre Zahl nicht für eine Befreiung Irlands von der englischen Herrschaft, aber der Osteraufstand war die Initialzündung für den Kampf, der zur irischen Unabhängigkeit führte. Kilmainham Gaol ist ein riesiges Gefängnis, in das schon lange vor dem Osteraufstand die Urheber von Delikten unterschiedlicher Schweregrade gesperrt wurden – beispielsweise hungernde Kinder, die Brot stahlen. Heute ist das Gefängnis ein Museum. Über manchen Zellen sind die Namen berühmter Freiheitskämpfer angebracht, die hier interniert waren.

3. GLENDALOUGH UND DIE ALTEN MÖNCHE

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Im 6. Jahrhundert gründete der heilige Kevin in Glendalough in den Wicklow Mountains eine Klostersiedlung, die sich zum so genannten „Rom des Westens“ entwickelte. Ein Rundturm, zahlreiche Ruinen, die St. Kevin’s Church und Gräber stehen heute in dem Tal, das ein Zentrum der typisch irischen Variante frühchristlicher Gelehrsamkeit war. Man ist in Glendalough nicht allein, sondern stets umgeben von Menschenscharen, das Tal eignet sich für einen bequemen Tagesausflug aus Dublin. Aber das Gelände ist weitläufig, man wandert durch die Natur, und jeder hat genug Patz für sich. Glendalough ist ein guter Abstecher, wenn man Irland mit Kindern bereist.

4. DUBLIN DOORS, DIE FLAGGE UND DIE SACHE MIT DER FARBE ORANGE

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Unsere Kinder müssen sehr lange und sehr hartnäckig in den schönen georgianischen Straßenzügen Dublins suchen, bis sie unter all den bunten Türen eine in Orange gefunden haben. Kann das wirklich ein Zufall sein? Oder doch eher Resultat der eigenen politischen Farbenlehre Irlands?

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Die wird am besten an der Flagge sichtbar: Grün für die grüne Insel und die katholischen Iren, Orange für die Protestanten, die England gern die Treue gehalten hätten, und Weiß für den Frieden zwischen den beiden.

5. SOMMERLICHE LEBKUCHENMÄNNCHEN UND DIE EXZENTRIK IM ALLTAG

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Man kann sie bei Harrington in Youghal an der Küste kaufen, und Gingerbread Men sind sie eigentlich nicht. Aber Gingerbread Women? Jedenfalls tragen sie Kleidung, die für ein Bad im Ozean geeignet wäre, nur ist der zu kalt. Dafür sind sie die perfekte kulinarische Kreation in einem Land, dessen Schriftsteller die Weltliteratur um viel Großes und viel Schräges bereichert haben. Und in dem es Häuser in den ungeheuerlichsten Farben gibt. Sogar die Steine sind manchmal lila.

6. BARRYSCOURT CASTLE, KILCOE UND DAS LEBEN IN STEINERNEN TÜRMEN

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Im 16. Jahrhundert war ein Wohnturm eine gute Sache, wenn man zu den Reichen und Mächtigen gehörte. Lord Barry und seine Familie hausten in Barryscourt Castle östlich von Cork recht sicher. Noch heute kann man sich beim Besichtigen der vielen eingebauten Schutzmaßnahmen vergewissern. Ebenso wie des relativen Komforts in der Familienstube – leicht beeinträchtigt durch Sturm und Regen, die durch die glaslosen Fenster kamen, und durch den Ruß aus dem abzuglosen Kamin.

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Im 21. Jahrhundert ist ein Wohnturm eine ungewöhnliche Sache, auch wenn man zu den Reichen und Berühmten gehört. Der Schauspieler Jeremy Irons hat sich in das doppeltürmige Kilcoe Castle in West Cork verliebt und es mit viel Aufwand restaurieren und auf modernen Standard bringen lassen. Heute ist es seine Lieblingsresidenz. Die rostrote Farbe hat er selbst ausgesucht, kein anderes Castle leuchtet so im Sonnenlicht, und nicht jedem gefällt die Idee. Auf jeden Fall ist der Turm sehr fotogen und ein toller Anblick aus dem Ferienhausfenster. (Infos zu unserem Ferienhaus neben Jeremy Irons‘ Castle hier)

7. DROMBEG STONE CIRCLE, IRISH SKY GARDEN UND DIE MAGIE DER KREISE

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Dolmen, Menhire, Steinkreise: Die prähistorischen Iren haben viele Spuren auf der Insel hinterlassen. Wer Irland mit Kindern bereist, findet garantiert die eine oder andere entlang seiner Route. Am Drombeg Stone Circle im County Cork lässt sich sehen, wie groß ihr astronomisches Wissen war.

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Ein Open-Air-Kreis der besonderen Art hat das Liss Ard Estate bei Skibbereen zu bieten, das auf dem Gelände eines früheren Ringforts liegt. Der berühmte Land-Art-Künstler James Turrell hat hier den Irish Sky Garden Crater angelegt. Durch einen kleinen Betontunnel gelangt man ins Innere eines imposanten Graskraters und ist plötzlich in einer Welt, die nur noch aus Graswall und Himmel besteht. Eine Steinliege in der Mitte könnte ebenso der Altar einer archaischen Gottheit sein, und niemand würde sich wundern, wenn der Krater hier seit der Vorgeschichte gestanden hätte.

8. BANTRY HOUSE UND DIE PRACHT DER UNTERDRÜCKER

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In der Mitte des 19. Jahrhunderts ließ der Earl of Bantry seinen Familiensitz Bantry House auf seine heutige Form vergrößern und stattete das Haus mit Kunstgegenständen aus. Wandteppiche, Bilder, Porzellan, sogar Vorhänge aus Versailles: Der Earl of Bantry war ein hingebungsvoller Sammler. Als Vertreter der englischen Oberschicht verfügte er über beträchtliche finanzielle Mittel, die auf seinen Ländereien erwirtschaftet wurden. Den Iren, die für ihn arbeiteten, ging es zum gleichen Zeitpunkt erbärmlich. In der Phase, in der Lord Bantry sein Haus verschönern ließ, wurde Irland aufgrund einer Kartoffelseuche von der großen Hungersnot, dem „Great Potato Famine“, heimgesucht. Rund eine Million Iren starben, eine weitere Million wanderte aus.

9. MIZEN HEAD UND DER DIREKTE WEG NACH AMERIKA

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Mizen Head, die Spitze der Mizen-Halbinsel, ist der südwestlichste Punkt Irlands. Durch die Klippen dieser Gewässer hindurch verließen die Auswandererschiffe Irland in Richtung Amerika; hier liefen die Schiffe aus Übersee in irische Gefilde ein. Mizen Head wurde zu einer legendären Signalstation, die die Schiffe bei Nebel sicher durch die Felsen leitete. Heute kann man die zum Museum gewordene Station über eine Brücke in einer spektakulären Felslandschaft erreichen.

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Die Mizen Peninsula ist nur an ihrer Spitze rau: Weiter Richtung Binnenland wird die Landschaft saftig.

10. DAS BOOK OF KELLS UND DIE KELTISCHEN KRINGEL

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Letzte Station: Nochmal mit den Kindern nach Dublin, ins Trinity College. In der Old Library gibt es den großartigen „Long Room“ – und das Book of Kells mit seinen wunderbaren Buchmalereien, die um das Jahr 800 entstanden sind. Zwei Seiten werden jeweils ausgestellt, der Rest ist in großen Displays zu sehen. Spiralen, verschlungene Knotenmuster, Tierköpfe, komplizierte Kreuzornamente schmücken Schriftseiten und großformatige Illustrationen: keltische Kunst satt.

Hier geht’s zu drei Kinderbüchern und einem Film zur Einstimmung auf die Irland-Reise