Blick zurück: Als das eine Kind elf war und das andere sieben, sind wir zu unserer ganz persönlichen Roadtrip-Experience gestartet. Inklusive eines nach Bruch geschienten Kinderbeins. Von Chicago nach Toronto, am Lake Michigan entlang, über den Huronsee, bis ans Ufer des Lake Ontario. Würden wir wieder tun. Nicht zuletzt, weil wir in knapp drei Wochen eine Menge verschiedene Amerikas gesehen haben.

I. Amerika wie im Film: Chicago

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Chicago, das klingt nach alten Verbrecherstories, nach Blues und rauem Leben. Chicago ist die ewige Nummer zwei hinter New York und Barack Obamas Stadt. Freunde, die vor uns da waren, schwärmten von Chicagos Schönheit, und sie hatten alle recht. Chicago ist eine Stadt wie aus einem alten amerikanischen Film, und gleichzeitig ist es das Wolkenkratzer-Mekka.

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Wunderschöne historische Hochhäuser stehen neben aktuellen Architekturjuwelen; wer auf den Willis Tower hinauffährt, kann den Blick vom höchsten Gebäude der USA genießen und die Skyline von oben fotografieren. Wir tun es und finden es fantastisch wie so vieles in dieser Stadt, die grandiose Dinge zu bieten hat – für Kinder und Erwachsene. Unsere Chicagoer Familien-Highlights hier.

II. On the Road in Michigan: Diner- und Auto-Amerika

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Raus aus der großen Stadt, auf den Highway am Südzipfel des Lake Michigan vorbei, dann an seinem Ostufer entlang. Schlagartig sind wir in einem ganz anderen Amerika. Statt der Chicagoer Mischung aus Patina und Hochglanz gibt es hier riesige Straßen und verdammt viel Platz. Ab und zu eine Ansammlung von knalligen Schildern, Ketten-Cafés und Diners, dann wieder lange Zeit nichts.

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Wir schlafen an der Route 31 in New Haven neben McDonald’s. Wenn man auf die andere Straßenseite will, nimmt man das Auto. Alles ist riesig, Fußgänger sind nicht vorgesehen. Als ich ein Stück unsere Straße hinaufgehe, stolpere ich an Parkplatzeingrenzungen vorbei und werde komisch angeschaut. Was mache ich hier, schutzlos, ohne Blech um mich herum? Nur einmal treffen sich viele Menschen vor dem Hotel: als drinnen mehrmals fälschlich Feueralarm ausgelöst wird. Bei der Gelegenheit sehen wir echte US-Feuerwehr im Einsatz. Und ständig geraten wir mit Leuten ins Gespräch, die irgendwas Nettes über Deutschland zu sagen haben.

III. Am Ufer des Lake Michigan: Historisches Ferien-Amerika

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Am Lake Michigan kann man Strandurlaub machen. Die Küste fühlt sich an wie der Meeresrand, das andere Ufer ist nicht in Sicht. Schnuckelige Ferienorte vermitteln eine Idee davon, wie Amerika früher ausgesehen haben mag, als die Trapper schon weg und die Malls noch nicht da waren.

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Der Ort Muskegon erzählt, wer die Könige dieses königsfreien Landes waren: die, die aus Rohstoffen Zivilisation machten. Muskegon ist durch Bauholz wohlhabend geworden; Holzbarone bauten sich selbst Schlösschen zum Wohnen und der Stadt eine Infrastruktur mit Schulen, Krankenhaus, Sportplätzen und – sehr sehenswertem – Kunstmuseum.

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IV. Reißbrettstadt Mackinaw City: Ice-Cream-Amerika

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Kurz vor Kanada, unvergesslich, aber wir wollen nie wieder hin: Mackinaw City, ein Holiday Hot Spot, für den wir einfach zu europäisch sind. Häuser wie in Disneyland, viele Parkplätze, eine riesige Strip Mall, alles auf Ferien ausgerichtet. „Resort community“ nennt sich der Ort, in dem wir Popcorn in einer Vielfalt von Aromen probieren, die uns definitiv davon überzeugen, dass Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist.

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V. Eisenbahn-Amerika: Agawa Canyon Tour Train

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Erster Stopp in Kanada: Sault Ste. Marie, von wo aus eine historische Eisenbahn in die Wildnis fährt. Vor über hundert Jahren begann man, die Strecke zu bauen – unter für uns unvorstellbaren Mühen. Aber anders als auf diesen alten Schienen kommt man bis heute nicht in die Wälder, die aussehen wie in Indianerfilmen. Auf 180 Kilometern vermittelt uns die Agawa Canyon Tour Train eine kleine Idee von der Wildnis, die die Pioniere in der Neuen Welt antrafen, und von den bahnbrechenden Möglichkeiten, die die Eisenbahn diesem Kontinent eröffnete.

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Ausführlicheres über die Bahnfahrt unseres Lebens gibt’s hier.

VI. Indianer-Amerika: Manitoulin Island

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Manitoulin Island, eines der Hauptziele unserer Reise: eine große Insel im Lake Huron, seit jeher bevorzugtes Lebensgebiet der First Nations, wie die Indianer in Kanada heißen. Sechs Reservate befinden sich heute auf Manitoulin Island; in einigen bemüht man sich intensiv um die Vermittlung der traditionellen Kultur – mit Museen, Veranstaltungen und Workshops. Das schon von Deutschland aus gebuchte Traumfänger-Basteln ist denn auch das zentrale Lockmittel, mit dem wir unsere Töchter im Vorfeld für die Great-Lakes-Tour begeistern.

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Was erfährt man wirklich bei so einer Stippvisite in einer Welt, deren alltägliche Realität man überhaupt nicht einschätzen kann? Nicht allzu viel. Sicher ist, dass sich viele indianische Organisationen für die Erhaltung und Wiederbelebung der Traditionen einsetzen, doch welchen Stellenwert dies im täglichen Leben im Reservat einnimmt und wie viel davon auf Touristen zugeschnitten ist, bleibt unklar. Zu unseren diesbezüglichen Erfahrungen auf Manitoulin Island gibt es hier mehr zu lesen.

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Doch auch, wenn die Natur, in der die indianische Kultur ihre Ursprünge hat, durch die europäischen Siedler stark verändert wurde: Wir nehmen sehr einprägsame Bilder von der Landschaft dieser Insel mit, die verglichen mit unserem stark besiedelten Europa nach wie vor umwerfende Wildnis und Weite atmet.

VII. Multikulti-Amerika: Toronto

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Am Ende der Reise wieder eine Stadt, und was für eine tolle: Toronto. Wenn man nach oben schaut, Stahl und Glas, aber auf Augenhöhe ein bunter, relaxter, vielschichtiger Kosmos.

Toronto

Nicht weit vom innersten Zentrum quirlige Viertel mit originellen Häuschen und viel Street Art. Und eine ganze Welt in nucleo: Von Little Portugal über Little India bis zu Koreatown reichen Torontos ethnic neighborhoods.

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Wir amüsieren uns im koreanischen Supermarkt. Es hätte auch Little Germany gegeben, aber kurz vor dem Rückflug haben wir nicht das geringsten bisschen Heimweh.

Hier ein paar Infos zur Planung und Organisation dieses Trips