Könnte ja sein, dass einen so ein Bild einfach verschlingt. Dass einen so ein Säulenwald in seine unheimliche Zentralperspektive hineinsaugt und man im Unbekannten verschwindet. Aber man weiß natürlich: Man steht im Museum, und Bilder saugen nicht.

Doch es gibt ein paar andere Exemplare in der Ausstellung „Hans Peter Reuter – Der Weg ins Blau“ in der Ulmer Kunsthalle Weishaupt, die einen ernsthaft täuschen. Gemälde von gekachelten Räumen, in die man hineingreifen möchte. Manchmal schaut man sich so ein Bild von der Seite an, um sicherzugehen, dass es sich auch wirklich um eine zweidimensionale Leinwand handelt.

Das ist umwerfend. Den gleichen Sog, der von Reuters Bildern ausgeht, übt auch der Ausstellungsparcours aus. Den hat übrigens der Künstler selbst gestaltet. Nachdem man sich zunächst durch die frühen blassblauen Ansichten gekachelter Schwimmbäder bewegt, die manchmal wie Kathedralen anmuten, gerät man zwischen zunehmend tiefer blaue Bilder in Ultramarin. Immer abstrakter werden die Raumillusionen; immer realer der Eindruck, dass sie wirklich den Zugang in eine andere Dimension eröffnen könnten.

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Unsere Töchter, die zuvor einen möglichst kurzen Ausstellungsbesuch auszuhandeln versucht hatten, wollen nicht wieder weg aus dem Blau. Eine Dame vom Museum freut sich, dass wir mit Kindern kommen, und erzählt ihnen, wie der Künstler während seiner Kindheit aufgrund einer Polio-Erkrankung extrem häufig ins Schwimmbad musste. Die blauen Kacheln bekommen eine Story. Während die philosophischen Fragen zu Wahrheit und Schein, zu Virtualität und Realität, die diese Bilder aufwerfen, keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Hingucken reicht.

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Wenn mich mal wieder jemand fragt, ob es möglich sei, dass Kinder und Eltern in einem Kunstmuseum gleichermaßen ihren Spaß hätten, werde ich ihn in die Kunsthalle Weishaupt schicken – zumindest bis zum 4. Mai 2014, danach ist die Reuter-Ausstellung vorbei.

Bild ganz oben: (c) VG Bild-Kunst