Egal, ob sie noch richtige Kinder sind oder schon Teenager – Reisen mit Kids funktioniert anders als ohne, und viele Eltern sind für spezielle Tipps dankbar. Zwei neue Bücher beleuchten unterschiedliche Seiten des Themas Familienreise.

Michael Pröttel, Britta Mentzel u.a.: SCHÖNE FERIEN MIT KINDERN. 100 URLAUBSIDEEN FÜR FAMILIEN IN DEUTSCHLAND UND EUROPA (Bruckmann)

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Ein ambitioniertes Buchprojekt: Mit einem großen Autorenkollektiv hat der Bruckmann Verlag einen umfassenden Familien-Reiseführer für Deutschland herausgegeben, ergänzt um ausgewählte Reiseziele in Skandinavien, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Südeuropa. Ein Buch, das sich jeder ins Regal stellen sollte, der in den nächsten Jahren mit Kindern verreisen und dabei nicht immer in die ganz weite Ferne schweifen will.
Eine oder zwei Doppelseiten sind jeder Destination zugedacht, und diesen kompakten Raum nutzen die Autoren für eine so knappe wie inhaltsreiche Darstellung der jeweiligen Reisegegend, für praktische Infos von Anreise bis Übernachtung sowie besondere Empfehlungen für Kinder und auch für Eltern.
Es geht um Outdoor-Aktivitäten, Tierparks, Schlösser, Museen, Höhlen. SCHÖNE FERIEN MIT KINDERN ist perfekt zum Stöbern, zur Reisevorbereitung und zum Entdecken neuer Ausflugsziele. Rad- und Wanderwege finden ebenso eingehend Erwähnung wie kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten, die Kinder unterschiedlichen Alters ansprechen, wobei die Stärke des Buches eindeutig auf dem 60 Prozent einnehmenden Deutschland-Teil liegt – schon aufgrund seiner Ausführlichkeit.

Georg Weindl: IHR SEID SO PEINLICH! WIE ELTERN DIE FERIEN MIT TEENAGERN ÜBERLEBEN (Chiemgauer Verlagshaus)
Eigentlich ein schönes Projekt: ein Buch mit Ratschlägen für die Urlaubsreise mit Teens. Schließlich stellt das Thema manche Eltern vor Fragen: Wie findet man ein passendes Reiseziel, wie bringt man die Interessen aller Familienmitglieder unter einen Hut, womit kann man die Entdeckerfreude Jugendlicher stimulieren und sie zu Unternehmungen motivieren?
Georg Weindl geht das Thema von einer anderen Seite an. Er filtert bekannte Standards aus Pubertäts-Ratgebern heraus und bezieht sie in amüsanter Weise auf die Situation der familiären Urlaubsreise. Resultat: Reisen mit Teens ist der Horror. Zumal, wenn man sich eine Reise mit Weindls Beispiel-Teenager Stella vorstellt. Stella will nur chillen und shoppen und vielleicht noch mit heißblütigen Italienern flirten. Kein Wunder, dass Ferienreisen mit ihr keinen Spaß machen. Allerdings haben ihre Eltern ihr offenbar noch nie etwas anderes angeboten als Badeurlaub an der Adria oder in der Türkei. Ein männliches Pendant zu Stella gibt es dabei nicht: Ob der Urlaub mit einem pubertierenden Jungen ebenso schrecklich ist wie mit einem Mädchen, und wenn ja, inwiefern, erfährt der Leser nicht.
Weindl verspricht auf dem Titel rettende Ratschläge. Die erschöpfen sich in dem ziemlich vagen Tipp, die Familienreise gut zu planen und dabei an alle zu denken. Wie das aussehen kann, erzählt er nicht; dafür hat er seinen Anhang: eine Reihe von ausführlich beschriebenen Clubs und Hotels, die speziell auf Teenies zugeschnittene Aktionen und Animation bieten.
IHR SEID SO PEINLICH! liest sich zweifelsohne sehr unterhaltsam. Es mag dazu angetan sein, manchen verzweifelten Eltern humorvoll Trost zu spenden. Aber von einem erfahrenen Reisejournalisten hätte man kreativere, konstruktivere und vor allem vielseitigere Tipps für die Ferien mit Teenagern erwartet als eine Auswahl von Clubs mit getrennten Schlafzimmern. Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Jugendliche für Schüleraustausche ins Ausland gehen, hat man den besten Beweis für die Aufnahmefähigkeit für fremde Länder und Kulturen, die Teenies an den Tag legen. Wer die in der Hotelanlage versanden lässt, hat selber Schuld.