Oberste Priorität bei der familiären Romreise: Antike Sehenswürdigkeiten anschauen. Einerseits eine klare Sache, wenn man nach Rom reist, andererseits Resultat des Lateinunterrichts unseres älteren Kindes, das diesmal uns erklärt, was besichtigt wird. Angenehmer Rollentausch.

GÖTTER

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„So. Und jetzt das Pantheon.“ Nix wie hin! Sie hatten eine Menge verschiedene Götter, die alten Römer. Das Pantheon war ein Tempel für mehrere von ihnen; vermutlich für diejenigen, die die Planeten verkörperten. Immerhin wölbt sich die riesige Kuppel gen Himmel. Den sieht man durch die kreisrunde Öffnung am Scheitelpunkt.
Es ist einiges los in dem antiken Gebäude, aber das stört hier kaum: Die Kuppel erhebt sich hoch über die Besucher und sorgt für ein ungeheures Raumerlebnis, das man eine ganze Weile auf sich wirken lässt – auch als jüngere, nicht durch Lateinunterricht vorbelastete Schwester.
Als Rom vom antiken Götterglauben zum Christentum übergegangen war, geriet das Pantheon als heidnischer Tempel in Gefahr, wurde jedoch durch eine Schenkung an den Papst und eine Umwandlung in eine christliche Kirche gerettet.
Diverse mit Gas gefüllte Ballons, die heute unter der Kuppel festsitzen, scheinen eher den Gottheiten der Unterhaltungsindustrie zu huldigen.

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Ein unterhaltsamer echt antiker Geselle ist der von unseren Töchtern so genannte Handabhacker, die Bocca della verità.

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Der Legende nach biss das marmorne Gesicht Lügnern die Hand ab, so sie diese in ihren Mund steckten. Auch heute kann man die Probe aufs Exempel machen. Das steinerne Relief, das wohl eine Flussgottheit darstellte und ursprünglich möglicherweise ein antiker Gullideckel war, hängt im Vorraum der Kirche Santa Maria in Cosmedin. Dort kann man Schlange stehen, darf die Hand in den Mund der Wahrheit legen und muss nach einem Foto pro Person weiter. Allerdings lässt sich das Marmorgesicht auch von außen, seitlich, durch Gitterstäbe anschauen. Sogar fotogen ist es von der Seite. Nur seine Funktion als Lügendetektor kann man ohne Schlangestehen nicht überprüfen.

BROT UND SPIELE

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Kein Rom-Besuch ohne das Kolosseum! Hier haben wir unsere familiäre Regel „Schlangestehen nur, wenn das Ende in Sicht ist“ auf Eis gelegt, und das war richtig. Immerhin wird das Schlangestehen unter den archaischen Wölbungen selbst zum Ereignis.

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Und der Rest ist sowieso unvergleichlich: der Weg durch Bögen und über Treppen, der Blick aufs Oval der Arena, der Gedanke an die schicksalsgeweihten Gladiatoren und die Römer, die je nach gesellschaftlichem Stand die Ränge des Kolosseums bevölkerten.

MACHTZENTRUM

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Das Leben im alten Rom war nicht immer gemütlich. Diese Erfahrung mussten schon Romulus und Remus machen, die vermeintlichen Stadtgründer. Zuerst wurden die Zwillinge ausgesetzt, dann durch eine Wölfin gesäugt, und schließlich erschlug der eine den anderen. Brutale Voraussetzungen für die Entstehung der Ewigen Stadt. Die Bronze der Kapitolinischen Wölfin, zu sehen in den Kapitolinischen Museen Museen, ist dagegen ein fotogenes Bild des Friedens.

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Nur ein paar Schritte entfernt liegt das Machtzentrum der Stadt, die bald zum Weltreich wurde: das Forum Romanum – heute eine Ruinenlandschaft, aber was für eine! Um eine Ahnung von der ehemaligen Größe zu bekommen, muss man zwischen den Ruinen herumspazieren.

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An der Seite des Forum Romanum ziehen sich die Kaiserforen entlang: Jeder Herrscher, der etwas auf sich hielt, ließ sein eigenes Forum anlegen. Unprätentiös liegen hier die antiken Säulenelemente auf dem Gras. Am meisten erkennt man auf dem Trajansforum. Highlight: die großartig erhaltene Trajanssäule, die in spiralförmigen Bilderszenen von den Großtaten des Kaisers Trajan erzählt: visuelles Storytelling mit Hammer und Meißel.

Hier geht’s zu unseren Rom-Highlights aus älteren, aber nachantiken Zeiten –

und hier zu denen aus unseren Tagen