Bücher-Countdown Nr.6

Während in herkömmlichen Wimmelbüchern Busse, Bäume mit Herbstlaub und und aktive Kinder herumwimmeln, ist DAS GROSSE WIMMELBUCH DER KUNST (Prestel Verlag) von Gestalten wie der Mona Lisa, Joseph Beuys und Franz Marcs blauen Pferden bevölkert. Die Illustrationen von Annaballe von Sperber, betextet durch Susanne Rebscher, zeigen Kunstgeschichte auf großen Bildpanoramen, die beherzt ganze Epochen zusammenfassen.

Doppelseitige Epochenpanoramen

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Alles beginnt in der Steinzeithöhle. Dort werden Kinder großgezogen, Farben gemischt, Wände mit Tieren bemalt und Skulpturen aus Mammutelfenbein geschnitzt – das Ganze auf einem doppelseitigen Panorama, das sich an gewissen zeitlichen und räumlichen Diskrepanzen zwischen einzelnen Elementen des Dargestellten nicht stört. Wenn man dogmatisch an die Sache herangeht, kann man sich an diesen Details stoßen, aber man hat mehr davon, sich an der einprägsam auf ein Bild gebrachten Zusammenschau einer Kulturepoche zu freuen.

Kunstgeschichte wird zur Bildgeschichte

Zwölf derartige Panoramen enthält das großformatige Kunst-Wimmelbuch. Die Renaissance findet in Leonardo da Vincis Werkstatt statt, die berühmten Alltagsszenen der Niederländer sind durch die Fenster der schmalen Häuser einer holländischen Straße zu sehen, auf der auch Rembrandt und Rubens unterwegs sind.

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Wild wird es in der frühen Moderne. Der Impressionismus erscheint als ein einziger bunter Garten, in dem berühmte gemalte Landschaften und Motive mit Selbstporträts von Künstlern zu einem riesigen Sommerfest collagiert werden. Eine gewisse Reizüberflutung ist hier vorprogrammiert, auch scheint der Zusammenschnitt teils recht gewagt. Aber wenngleich es in ihrem Garten weitaus weniger subtil zugeht als bei den echten Impressionisten, muss man zugeben, dass die Illustratorin Annabelle von Sperber eine Compilation hinbekommt, die mit ihrer Atmosphäre als Einstieg in das Thema „Impressionismus für Anfänger“ durchaus taugt.

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Dafür wird’s im Bauhaus wieder stilgeschichtlich exakter. Hier sieht sich der Betrachter einem Aufriss des Bauhaus-Gebäudes mit seinen einzelnen Werkstätten und verschiedenen prägenden Persönlichkeiten gegenüber.

So sparsam wir überzeugend: die Texte

Betextet sind sämtliche Doppelseiten einzig mit einer Überschrift, die ein zentrales Thema der dargestellten Epoche in kindgerechten Worten anreißen. „Komm mit auf das Fest der großen Göttin!“, heißt es im Falle der griechischen Antike, die das Parthenon zeigt. Genaueres zu der jeweiligen Epoche und zum Dargestellten liefern die letzten Seiten des Buches, die die kindlichen Betrachter mit ein paar gezielten Fragen und Informationen durchs Gewimmel der einzelnen Bilder leiten – und das sehr überzeugend.

Was das Wimmelbuch zur Gegenwartskunst sagt

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Hinreißend ist das letzte Panorama, das sich der Gegenwartskunst widmet. Unter dem Titel „Mach mit Kunst in der Ideenfabrik!“ geht es ziemlich bewegt zu. Von Warhol über Niki de Saint-Phalle bis zu Ai Weiwei ist alles vertreten, was Rang und Namen hat. Mein Lieblingsdetail: der Blick in ein Atelier, in dem eine Menge Totenköpfe herumstehen und ein Nemo-Fisch in einen vermutlich mit Formaldehyd gefüllten Behälter gesteckt wird, neben dem ein ähnlicher Behälter mit Ziege verschlossen wird. Unter diesem Damien-Hirst Panoptikum sitzt Joseph Beuys inmitten einer Straßenszene mit Hippie-Charme und streichelt sein Kaninchen.

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