Hilma af Klints Geschichte ist der Stoff, aus dem Mythen sind: Mit ihren Freundinnen hielt sie Séancen ab, erlebte sich als Medium höherer Wesen und ließ sich von diesen sagen, was sie malen sollte. Dabei wurde die 1866 geborene Schwedin zu einer der Erfinderinnen der abstrakten Kunst – unbemerkt vom Rest der Welt. Hilma af Klint ging davon aus, dass ihre Zeitgenossen ihre Werke nicht verstehen würden, und verfügte, dass die Bilder frühestens 20 Jahre nach ihrem Tod gezeigt werden dürften. 1944 starb die Künstlerin, und jetzt präsentiert der Hamburger Bahnhof in Berlin eine große Retrospektive der Hilma af Klint.

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Anschauen lohnt sich – nicht nur wegen der geheimnisvollen Geschichte, die sich um die Schwedin und ihre Kunst rankt. Sondern vor allem wegen der Bilder, die es zu sehen gibt. Abstrahierte Riesenblüten in berauschenden Pastelltönen leuchten von raumhohen Leinwänden. Religiöse und andere Symbole geben Hinweise auf eine pantheistische Weltsicht, die zu Hilma af Klints Zeiten en vogue war. Strahlende Farbskalen lassen an die Innenausstattung von Waldorfschulen denken, und das ist kein Zufall: Die Künstlerin stand im Austausch mit Rudolf Steiner. Auch Nicht-Esoteriker bekommen bei Hilma af Klint eine erfrischende Dosis kosmischer Energie – spirituell oder sinnlich, je nach eigener Disposition. Kinder haben Schönes wie Wundersames zu gucken, außerdem ist die Symbolik der Bilder manchmal spannend zu enträtseln – zum Teil allerdings auch undurchsichtig.

Bis zum 6. Oktober 2013 wird die Ausstellung „Hilma af Klint – eine Pionierin der Abstraktion“ im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart gezeigt. Auch in einen Kurztrip nach Berlin lässt sie sich leicht integrieren: Der Hamburger Bahnhof ist vom Berliner Hauptbahnhof in zehn Minuten zu Fuß zu erreichen.

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