Andere haben eine Bucketlist, ich träume von Japan. Und das seit ziemlich vielen Jahren. Aus diesem Traum ist jetzt ein konkreter Familien-Reiseplan geworden: In einem Monat werden wir, wenn alles gutgeht, in Tokio sein. Hier unsere Antworten auf die Wie, Wo, Warums, die wir in Bezug auf diese Reise von Familien, Freunden, Bekannten gehört haben. Und auf ein paar Fragen, die wir uns selbst stellen.

Boox1bJa! Wir sind Streber!

Wann?

In Baden-Württemberg gibt es jedes Jahr zwei Wochen Pfingstferien, und die werden wir für unsere Japan-Reise nutzen. Natürlich hätten wir in den Sommerferien mehr Zeit, aber die japanischen Sommer sind heiß und feucht – und vor allem meine ältere Tochter und ich verlieren bei Hitze schnell die gute Laune. Deshalb haben wir uns für die Pfingstferien entschieden, obwohl zwei Wochen für Japan sicher nicht viel sind – aber irgendeinen Kompromiss macht man immer, oder?

Wohin?

Unsere geplante Route ist klassisch: zuerst einige Tage Tokio, dann, etwas kürzer, Kyoto und zum Abschluss zwei Nächte in Hakone. Hakone ist ein wohl recht touristischer Badeort mit vielen heißen Quellen nicht weit vom Berg Fuji, aber da für uns alles in Japan neu ist, finden wir auch japanischen Badetourismus interessant!

ThorneJapan im Puppenstubenformat im Art Institute of Chicago    (c) Art Institute of Chicago

Wie?

Auch Transport und Unterkunft werden ganz klassisch sein: Von Ort zu Ort wollen wir mit dem Zug fahren – mindestens einmal mit dem Superschnellzug Shinkansen, der Tokio und Kyoto verbindet. In beiden Städten haben wir Hotels gebucht, die – so zumindest der Online-Eindruck – westlich mit einem kleinen Hauch Japanese Style sind. Es war nicht einfach, in Tokio ein Familienzimmer zu finden, aber uns schien, bei einem Aufenthalt in einem großen Hotel in einer riesigen Stadt in einem Land, in dem man noch nie war und dessen Sprache einem ganz fremd ist, wäre es gut, die großen Kinder mit ihren elf und 14 Jahren bei uns im Zimmer zu haben. Nach eingehender Familienzimmer-Recherche auf meinem Lieblings-Onlineportal booking.com haben wir schließlich etwas Entsprechendes gefunden – ob ich es weiterempfehlen kann, sage ich nach der Reise! In Hakone schlafen wir in einem Ryokan, einem traditionellen japanischen Gasthaus mit Tatami-Zimmern, Futons, Onsen-Bädern und regionalen Speisen, die im Zimmer serviert werden. Die Internet-Bilder sehen anheimelnd und luxuriös aus, die Preise sind ebenfalls luxuriös, aber ich habe es innerlich als Once-in-a-lifetime-experience verbucht.

Was?

Am Programm unserer Japan-Tage arbeite ich schon eine ganze Weile – solche Reisevorbereitungen gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Die thematischen Eckpunkte des Ganzen werden wohl Kultur und Kawaii sein – wobei das Kulinarische als drittes K auch nicht unwichtig ist. In Kyoto ist die Sache relativ klar: Da wird Altes besichtigt – Tempel, Schreine, Gärten. Wir sind zwar nie davor zurückgeschreckt, unseren Kindern viel Kultur zuzumuten, aber wie immer wird es auch in Kyoto darum gehen, die richtige Balance zu finden: Nur so viel Kulturprogramm zu machen, wie sie wirklich in sich aufnehmen können, sonst ist es kontraproduktiv. Dazwischen gilt es immer wieder einen Ausgleich zu finden – in Form von Eisessen, Cafébesuchen, Herumlaufen in der Natur. In Kyoto gibt es, was das angeht, einen spektakulären Bambushain und unzählige Gärten. Ein mittlerweile nicht mehr totzuschweigendes Bedürfnis der Kinder ist auch das Abhängen in der möglichst mit WLAN ausgestatteten Unterkunft – unter Benutzung kleiner elektronischer Geräte. Haben wir mittlerweile akzeptiert, solange das Maß erträglich bleibt. Und wenn wir ehrlich sind, schauen wir auch manchmal ganz gern in diese kleinen viereckigen Geräte.

P1100845bBitte mehr davon! Unsere erste Cosplay-Impression hatten wir in Montréal

In Tokio wollen wir erstmal schauen, wie das Stadtleben sich dort so anfühlt. Verschiedene Viertel besuchen wie den Shopping-Distrikt Ginza, weil wir dort auf viel japanisches Design zählen. Außerdem steht Harajuku auf dem Programm: die Gegend, in der die jugendlichen Cosplayer in ihren Manga- und Animekleidern herumlaufen. Unbedingt wollen wir in ein Cat Café: in eines dieser Cafés, in denen man lebendige Katzen streicheln kann – als Ausgleich für die Großstädter, die in ihren kleinen Wohnungen keinen Kontakt zu Tieren haben. Und eine weitere Katze ist fest eingeplant: Wir müssen Hello Kitty in ihrem Themenpark besuchen. Sehr gerne wären wir in das Museum des Studio Ghibli gegangen, des Zeichentrickfilm-Studios, das hinter Werken wie „Mein Freund Totoro“ steht – aber es ist von Mai bis September geschlossen zwecks „upgrading“. Museen gibt’s trotzdem. Im National Art Center läuft eine große Issey-Miyake-Ausstellung, und ein paar klassische japanische Gemälde wollen wir uns auch zu Gemüte führen. Außerdem werden wir selbstverständlich shoppen. Und essen. Und uns überraschen lassen.

P1090458bOh, und meine Lieblingskünstlerin Yayoi Kusama – hier als Puppe – ist auch Japanerin

Warum?

Ohne mein persönliches Interesse an Japan hätten wir diese Reise nicht geplant. Woher das Interesse kommt? Genau weiß ich es nicht; es ist schon alt. Den Widerspruch zwischen uralter Kultur und Techno-Neon-Pop finde ich seit langem spannend. Zwischen meditativem Zen-Buddhismus und Konsumkultur, zwischen Ikebana und Pokémon. An diesem Widerspruch sind schon viele Japan-Kenner verzweifelt, und auch ich werde sicherlich nicht den Schlüssel finden, der erklärt, wie beides zusammengeht. Aber ich will es mir unbedingt mal von Näherem anschauen. Außerdem bewundere ich das, was ich von traditioneller japanischer Architektur auf Bildern und in Form von Nachahmungen gesehen habe, ich bewundere die minimalistische Ästhetik, die sich sowohl im Design als auch in der Darbietung von Speisen äußert, und ich möchte der Quelle des Ganzen einmal im Leben ein wenig näher kommen. Soviel zu mir.

Und die anderen?

Mein Mann hat vor einem knappen Jahr aus für mich heiterem Himmel angemerkt, man könne ja mal nach Japan reisen. In dem Moment habe ich meine Chance gewittert und nicht mehr lockergelassen. Er interessiert sich für den ganzen kulturellen Komplex dieses fremden Landes, seine Geschichte, seinen Lebensstil – und seine Sprache. Er lernt gerade einen kleinen Prozentsatz der in die Tausende gehenden japanischen Schriftzeichen. Unsere jüngere Tochter lernt mit. Sie ist außerdem sehr scharf auf die Kawaii-Kultur: den Kult um alles, was poppig und süß zugleich ist. Und sie will einen Zen-Garten sehen. Anders verhält es sich mit unserer Vierzehnjärigen. Sie findet, man hätte das Geld für diese Reise lieber in einen zweiten Trip nach Korea stecken sollen. Trotz ihrer Liebe zu Sushi. Kürzlich habe ich sie gefragt, worauf in Japan sie sich denn freue. Man kennt sein Kind; ich wusste die Antwort im voraus: „Darauf, dass wir wieder nach Hause fliegen.“

KomagataAus dem Bilderbüchlein „found it!“ von Katsumi Komagata

(Bild ganz oben: Aus dem Bilderbuch „Aoki. Eine Reise nach Tokio“ von Annelore Parot, das hier auf dem Blog noch genauer vorgestellt wird)

Die Weltwunderer sind im letzten Sommer mit ihren drei Kindern im Campervan durch Japan gefahren. Hier geht’s zu ihren gebloggten Erfahrungen