Der amerikanische Schriftsteller Arthur Miller ist für allem für Dramen wie „Tod eines Handlungsreisenden“ und „Hexenjagd“ bekannt. Oder auch für seine fünf Jahre währende Ehe mit Marilyn Monroe. Bei Kleine Gestalten ist jetzt HANNAS KUSCHELDECKE erschienen: Arthur Millers einziges Kinderbuch, illustriert von dem legendären Zeichner Al Parker.

Ein kleines Mädchen und eine weiche rosa Decke

Hannas Kuscheldecke

Leuchtendes Rosa inmitten von Schwarz-Weiß: Hannas Kuscheldecke

Hanna besitzt eine weiche rosafarbene Kuscheldecke, die ihr von Säuglingstagen an Geborgenheit gibt. Soweit die Ausgangslage von HANNAS KUSCHELDECKE, und als alter Kinderbuchleser meint man zu wissen, was folgt: Hanna wird größer, die Kuscheldecke immer löchriger, und irgendwann muss sie sich von ihr trennen. Mehr oder minder kommt es auch so, allerdings entfaltet sich Hannas Geschichte so plastisch, liebevoll und originell, dass man beim Zuschlagen des Buches das Gefühl hat, eine archetypische Kindheitsstory miterlebt zu haben.

Arthur Miller und Al Parker: zwei große amerikanische Künstler

Arthur Miller – geboren 1915, gestorben 2005 – ist nicht umsonst einer der berühmtesten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Und Alan Parker gilt nicht ohne Grund als einer der ganz Großen unter den Illustratoren, die die Optik amerikanischer Zeitschriften um die Mitte des 20. Jahrhunderts prägten.

Al Parker artist

Der stylische Strich des Illustrators Al Parker

Ihr Kinderbuch JANE’S BLANKET – so der Originaltitel, unter dem es auch heute wieder auf Englisch erscheint; Kleine Gestalten veröffentlicht die englische und die deutsche Version parallel – erschien erstmals 1963. Arthur Miller erzählt auf sehr schlichte Weise von dem kleinen Mädchen, das seine Kuscheldecke immer und überall braucht, das größer wird, die Welt entdeckt, immer noch an der rosa Decke hängt, aber langsam, langsam doch aus dieser Decke herauswächst – während die Decke selbst immer zerschlissener wird.

Die kleinen Geschichten sind oft die großen Geschichten

Arthur Miller Jane's Blanket

Wie im wahren Leben – nur das Outfit der Mutter ist extrem elegant

Dank Arthur Millers direkter Erzählweise mit viel wörtlicher Rede – immerhin schreibt hier ein Dramatiker – sind wir dabei, wenn Hanna nach der Decke schreit, wenn sie die Mutter Jahre später um die Fetzen anbettelt, die von dem rosa Lieblingsstück übrig sind, und wenn die Mutter ihr mit immer derselben zärtlichen Geduld antwortet. Arthur Millers Geschichte spielt im familiären Alltag, wo unter dem Anschein des Banalen viele der wichtigen Geschichten unseres Lebens stattfinden: eine Tatsache, die Miller und einige seiner Schriftstellerkollegen der Welt sehr eindringlich vor Augen gehalten haben.

Wenn der Mode-Illustrator ein Kinderbuch zeichnet

Al Parker Hannas Kuscheldecke

Blicke sagen mehr als tausend Worte

Und dann ist da natürlich noch Al Parker, der von 1906 bis 1985 lebte. Mit seinem eleganten, reduzierten Strich hat er höchst stilisierte und mondäne Zeichnungen für Modezeitschriften, Werbeanzeigen und Gesellschaftsseiten geschaffen. Diese berufliche Herkunft sieht man den Illustrationen von HANNAS KUSCHELDECKE an: Ihre Mama ist stets makellos gestylt, aber vor allem Hanna selbst ist eine Augenweide. Natürlich ist sie hübsch, doch sie erzählt durch ihre extrem wandelbare Mimik auch eine Menge über die Lebensphasen eines heranwachsenden Mädchens. Egal, ob Hanna brav oder grimmig ist, trotzig, lustig oder empört: Al Parker braucht nur ein paar Striche, um uns in Hannas Stimmung hereinzuziehen.

Hannas Kuscheldecke Kleine Gestalten

Mit wenigen Strichen wird aus dem Baby ein Schulkind

Gute Vorlese-Bilderbücher sind rar

Arthur Miller Hannas Kuscheldecke

Mehr wird über das Ende von Hannas Decke an dieser Stelle nicht verraten!

Bei Kleine Gestalten – dem Kinderbuchlabel des für seine kreativen Bildbände bekannten Berliner Gestalten Verlags – empfiehlt man HANNAS KUSCHELDECKE für Kinder ab vier Jahren. Ich brenne darauf, das Buch der einzigen Vierjährigen in meinem privaten Umkreis vorzulesen, denn gute Vorlesebücher für dieses Alter sind rar. Nachvollziehbare Alltagsgeschichten in einfacher Sprache stehen bei Vier- und Fünfjährigen hoch im Kurs, aber auf dem Buchmarkt findet sich in diesem Bereich extrem viel Biederes, öde Getextetes. Arthur Millers Kinderbuch ist zwar schon über ein halbes Jahrhundert alt, Al Parkers Illustrationen atmen die Atmosphäre seiner Zeit, aber das macht nichts: Mit seiner schlanken, reduzierten, intimen Story ist HANNAS KUSCHELDECKE immer noch gültiger als viele Mainstream-Publikationen unserer Tage.

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