Wir lieben die Themen-Ausstellungen im der Museum Villa Rot in Oberschwaben. Die aktuelle heißt „Nun scheint in vollem Glanze“ und widmet sich dem Mond – einem beliebten Motiv der Kunstgeschichte, das das kleine Museum in die Gegenwart holt.

Mond-Kunst von früher und heute

Zugegeben, es war ein bisschen Arbeit, aber zu einer Ausstellung über Mond-Kunst konnte ich meine 15-jährige Tochter schließlich doch überreden. Zumal die Villa Rot ankündigte, nicht nur romantische Mond-Gemälde zu zeigen, sondern vor allem neuere Kunstwerke. Bei denen sollte es nicht zuletzt um den Himmelskörper als wissenschaftliches Forschungsobjekt gehen.

mondkunstJulius Grimm: Ansicht des vollen Mondes, 1895

Umso überraschender, dass uns gleich zwischen den Bildern aus dem 19. Jahrhundert ein Bild mit einer realistisch anmutenden Mond-Oberfläche begegnet. Julius Grimm hat es nach einer Teleskopansicht gemalt. Das gigantische leuchtende Rund mit seiner zerklüfteten Landschaft treffen wir danach auf Schritt und Tritt an: auf den legendären Fotos von der Mondlandung 1969 etwa oder auf Bildern aus der Serie „Galileo Galilei“ von Roman Finke, die mondsüchtig machen können.

villarotRoman Finke: aus der Serie „Galileo Galilei“, 2008

Rätselhafte kosmische Phänomene

mond-kunstFrank J. Schäpel: Roscoe H. Hillenkoetter, 1st Director of the CIA (1947-50), 2015

Ein ganzer Ausstellungsraum widmet sich der Frage nach rätselhaften kosmischen Phänomenen; vor allem der Blütezeit des amerikanischen UFO-Hypes in den 1970-er Jahren. Am verrücktesten kommt uns dabei ein Zitat des früheren CIA-Direktors Roscoe H. Hillenkoetter vor, der sich dafür ausspricht, das Phänomen der UFOs ernster zu nehmen. Kommt einem heute seltsam nostalgisch vor.

Magischer Mond

Deutlich aktueller ist das letzte, fast raumfüllende Exponat der Ausstellung: keine Mond-Kunst, sondern ein riesiger Mond-Globus. 2016 auf der Schwäbischen Alb – in der Nähe der Villa Rot – gefertigt, ist dieser Globus das aktuell exakteste Relief der Mondoberfläche. Mal von hier, mal von dort angestrahlt, tiefe Schatten werfend, ist dieser realistische Mond mindestens so magisch wie die lunaren Kunstwerke.

mondglobusReliefmodell des Mondes von 2016

Der Reliefmond beeindruckt meine Tochter ebenso wie mich. Außerdem findet sie die Installation „Vollmond“ von Zilla Leutenegger aus dem Jahr 2008 (Bild ganz oben) toll, in der ein elektronischer Mond in regelmäßiger Rotation seine Schatten zu werfen scheint. Wenngleich Schatten und Mond sich gegen alle physikalische Logik nebeneinander befinden, verströmt die bühnenartige Installation echten Mond-Zauber. Es sind vor allem solche einzelnen Stücke, die uns in dieser Ausstellung beeindrucken – ebenso wie die großen Mondansichten, die uns immer wieder neu in ihren Bann ziehen. Die Verknüpfung zwischen Mond-Kunst aus dem 19. Jahrhundert und lunarer Gegenwartskunst überzeugt mich in diesem Fall weniger; meine Tochter lässt sich nicht in die Karten schauen. „Ganz okay“, sagt sie später, als ihr Vater sie fragt, wie die Ausstellung war. Was will man mehr?

INFO:

Die Ausstellung „Nun scheint in vollem Glanze“ läuft noch bis zum 26. Februar 2017 im Museum Villa Rot im oberschwäbischen Burgrieden-Rot – etwa 25 Kilometer südlich von Ulm und 25 Kilometer nordöstlich von Biberach gelegen.