Man möchte meinen, ein bunt bemaltes Haus mit großem Street-Art-Motiv (oben: Mural in Reykjavík von Rafaella Brizuela Sigurdardottir) müsste Kindern gefallen. Und hat die Rechnung ohne die konservativen Neigungen vieler von ihnen gemacht.

Jüngere Kinder lernen Regeln. Und sie sind große Quatschmacher. Quatsch ist eine Form von Subversion, durch die sie die Regeln durchbrechen und mit ihnen spielen.

Aber bemalte Häuser sind für Kinder nicht unbedingt lustiger Quatsch. Es hat auch etwas mit Kaputtmachen zu tun. Schließlich geht die Farbe nicht einfach wieder weg. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Bewohner eines weiß getünchten Wohnblocks oder eines romantischen Bauernhauses sich nicht darüber freuen, wenn an ihrer Wand plötzlich Schriftzeichen und Bilder auftauchen.

P1080233Kindheitstraumhaus in Mutters Hamburger Heimat: auf einmal mit Graffiti!

Außerdem ist Graffiti für Kindergeschmack ziemlich nah an dem Gekritzel, von dem man mit dem Größerwerden unbedingt Abstand nehmen will.

Andererseits gibt es ja Künstler wie Keith Haring, dessen berühmte Männchen zuerst illegal an die Wände der New Yorker Subway gemalt wurden.

P1080209Keith Haring, 1982

Und auf Reisen in ganz verschiedenen Städten die pixeligen Space Invader zu entdecken, macht auch Spaß.

P1090637Invader-Mosaik in Basel

So bleiben Schrift und Bild an der Wand ein Spielfeld, auf dem sich kindliche Gewissenskonflikte abarbeiten. Darf man das? Oder nicht? Darf man es, wenn es schön ist? Aber findet nicht jeder etwas anderes schön? Und wenn einem so ein Wandbild selbst eigentlich ganz gut gefällt, ist das okay?

Einfacher wird es, wenn man weiß, dass die bemalte Wand auch wirklich bemalt werden durfte. Und wenn man dann noch sieht, wie viel Mühe sich so ein Street Artist gibt, um seine Bilder zu machen, ist das richtig toll. Denn bunte Wände können ziemlich gut aussehen.

P1090395Leuven, Belgien: Enstehung eines Bildes von der Künstlerin DinDin bei der Arbeit