IM MUSEUM heißt die jüngste Neuerscheinung, mit der der Verlag E.A. Seemanns Bilderbande seine Serie kreativer Kinder-Kunstbücher fortsetzt. In dem von Susan Verde geschriebenen und Peter H. Reynolds illustrierten Bilderbuch ist das Museum ein Ort, das ein Kind in ein Wechselbad der Gefühle taucht.

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Ein Mädchen läuft im Museum herum – und jedes Kunstwerk, dem es begegnet, überträgt seine ganz eigene Stimmung auf die kleine Bezopfte. Degas bringt sie zum Tanzen, van Goghs Himmelsstrudel rufen einen inneren Wirbel in ihr hervor. Vor Rodins Denker setzt sie sich grübelnd auf eine Bank, ein unglückliches kubistisches Gesicht macht sie traurig, ein Apfel-Stillleben hungrig, während Munchs Schrei sie verängstigt. Eine ganz leeres, weißes Bild inspiriert das Mädchen zu wunderbaren Bildern vor ihrem eigenen geistigen Auge, sodass sie sich als „neue Heldin“ der Leinwand sieht. Solche Prozesse, in denen man durch eigene Kreativität zum Künstler wird, gehören zu Peter H. Reynolds‘ Lieblingsthemen, die man in Deutschland schon aus seinem herrlichen Kinderbuch „Der Punkt“ kennt.

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Die Idee, die gefühlsmäßige Essenz von Kunstwerken auf diese Weise an Kinder zu vermitteln, ist umwerfend. Die Texte bestehen aus einfachen Reimen, die Kindern ab dem Kindergartenalter auf schlichte Weise tiefe Gefühle schildern und zeigen, wie Kunst solche Gefühle wecken kann. Eine kleine Tour durch die Moderne ist inbegriffen, allerdings werden die gezeigten Kunstwerke nirgendwo erläutert; wer wissen will, welche Künstler dahinterstecken, ist auf Vorkenntnisse angewiesen.

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Der Museumsbesuch endet mit den Worten „Mein Herz schlägt weiter im Takt all der Werke, deren Puls ich ab heute auf ewig bemerke.“ Insgesamt ist der Duktus der Verse recht emotional gehalten. Als eher nüchterne Leserin habe ich die Wirkung von IM MUSEUM an meiner elfjährigen Tochter ausprobiert, die grenzenlos begeistert war: „Das ist ja wahnsinnig süß. Und diese kleinen Verse sind schön!“

Zu seinem fantastischen Kandinsky-Kinderbuch aus dem Programm von E.A. Seemanns Bilderbande geht’s hier