Singapur, Hongkong, Seoul – und jetzt Bad Schussenried: Illusionskunst ist hip. Unter dem Titel „Du bist die Kunst“, der sich unmissverständlich auch an Kinder wendet, zeigt das Klostermuseum Schussenried eine Ausstellung mit 3D-Malereien aus China, bei denen die Besucher selbst ein Teil des Bildes werden.

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Küss‘ den Tiger, reite auf dem Einhorn, wage dich ins Maul eines Riesenmonsters – und lass‘ Fotos von dir machen, die zeigen, dass du diese Dinge tatsächlich in 3D erlebt hast. Wenngleich das Setting eindeutig gemalt ist – was den Überraschungseffekt noch erhöht.

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Unter dem Label Trick Eye Museum entstehen in einer wachsenden Zahl von asiatischen Metropolen Museen mit Illusionsmalereien, die darauf zugeschnitten sind, dass die Besucher Teil einer optischen Täuschung werden – und diese dann zum Foto: Ein perfektes Kunstgenre fürs Facebook- und Instagram-Zeitalter.

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Bis zum 10. Januar 2016 braucht man für dieses Erlebnis nicht nach Singapur; es reicht, in die süddeutsche Provinz zwischen Ulm und Bodensee zu fahren: Das Klostermuseum Schussenried  zeigt zwei Stockwerke voller illusionistischer Bilder aus China. Ein guter Ort für diese Schau; schließlich gibt es auch in dem Barockkloster jede Menge optischer Täuschungen und Scheinarchitekturen.

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Die Kunstansprüche, mit denen man üblicherweise in Ausstellungen geht, sollte man zu Hause lassen. Die Motive der 3-D-Gemälde mixen Kitsch und Konvention.

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Um klassische Trompe-l’œils handelt es sich bei diesen Bildern nicht; effektvoll werden sie erst, wenn jemand mitspielt, sich an dem dafür vorgesehenen Orten in Pose wirft und Teil einer dramatischen, romantischen oder amüsanten Szenerie wird. Bei Unklarheiten helfen Hinweisschilder mit kleinen Fotos, die zeigen, an welcher Stelle der Besucher ins Bild gehört.

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Es geht um Spaß, ums gut Gemachte – und ums Staunen, was mit Malerei möglich ist. Unsere Zehnjährige fand „Du bist die Kunst“ super. Und wir? Sind der Meinung, dass man sich so etwas ruhig mal ansehen kann: um auf dem Laufenden zu sein, was in Asien hip ist, um Kindern zu zeigen, dass Kunst viele Facetten hat – und auch, um selbst ein bisschen Spaß zu haben.