Kürzlich hat es seinen ersten Geburtstag gefeiert: das House of Illustration, ein erstklassiger Anlaufpunkt für – nicht nur – Familien. Oft geht es in den wechselnden Ausstellungen um Kinderbücher, und ein von der Queen geadelter Kinderbuchzeichner hat es eröffnet.

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Illustration: ein aktuelles Thema

Das Thema Illustration liegt in der Luft: Zeitschriften setzen verstärkt auf Zeichnungen, Kinderbücher mit künstlerischem Anspruch erhalten viel Aufmerksamkeit, und auch im digitalen Bereich spielt Gezeichnetes eine große Rolle. Die Eröffnung des House of Illustration kommt da gerade recht. Für Quentin Blake allerdings – genauer: für Sir Quentin Blake; 2013 hat ihn die Queen zum Ritter geadelt – ist Illustration das Thema, das ihn sein ganzes Leben hindurch begleitet hat. In Deutschland ist er vor allem für seine Zeichnungen zu den Geschichten von Roald Dahl bekannt; in England ist er eine Berühmtheit. Quentin Blake hat das House of Illustration eröffnet, hat es vom Hinweis- bis zum Toilettenschild mit seinen charakteristischen Zeichnungen ausgestattet und anlässlich der ersten Ausstellung des neuen Museums, die seinen Arbeiten gewidmet war (Bild ganz oben), auf die tiefe Verwurzelung von Zeichnung, Karikatur und Illustration in der britischen Kunstgeschichte hingewiesen.

CPB_D07Paddington Bear TM (c) Paddington and Company Ltd. 2014, from the Paddington Bear Books by Michael Bond, illustrated by Peggy Fortnum

Ausstellungen zum Thema Illustration

In der Tat haben die Briten mit ihrer Liebe zur Satire und zum Skurrilen ebenso wie mit ihrer Kinderbuchkultur in diesem Bereich einiges zu bieten. Eine der bisherigen Ausstellungen es House of Illustration widmete sich anlässlich des Paddington-Films den verschiedenen Bildnissen des Bären Paddington (Bild oben), die seit Paddingtons erstem Erscheinen auf dem Buchmarkt im Umlauf sind.

Aber das House of Illustration beschränkt sein Themenspektrum nicht auf Großbritannien – und nicht auf Kinderbücher. Bis Ende Juni 2015 war eine großartige und vielebeachtete Retrospektive des New Yorkers Mac Conner zu sehen, der den Alltag, die Träume und die Ängste des 50-er- und  60-er-Jahre-Amerika in seinen Illustrationen einfing – mit Stil, Eleganz und Feingefühl.

04_Let's Take a Trip Up the Nile_Mac Conner_1950_Courtesy of MCNY.jpgLet’s Take a Trip Up the Nile, (c) Mac Conner courtesy of the Artist

Ladybird: nostalgische Kinderbücher

Aktuell und noch bis zum 27. September 2015 läuft „Ladybird by Design“: Kindheitserinnerungen fürs britische Publikum. Seit 100 Jahren begleiten die Ladybird-Bücher mit ihrem typischen kleinen Hardcover-Format englische Kinder beim Lesenlernen und Großwerden. Auf Illustrationen wurde bei Ladybird immer großen Wert gelegt; die Bilder der Bücher aus den verschiedenen Epochen spiegeln sowohl die Stilvorlieben ihrer Zeit als auch gesellschaftliche Stereotypen wieder.

05b(c) Ladybird Books Ltd., 1958

Das House of Illustration finden

Das House of Illustration liegt nur wenige Schritte nördlich vom Bahnhofs King’s Cross, in einem ehemaligen Industriegebiet, das jetzt umgewandelt wird in ein Quartier mit kulturellen Einrichtungen, Wohnungen, Geschäften und Restaurants. Die Adresse des Museums: 2 Granary Square.

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Diese Adresse ist tückisch: Ein Granary Square gibt es auch in Highbury; auf dem Stadtplan ebenfalls nicht allzu weit entfernt vom Bahnhof King’s Cross. Als ich dort angekommen war, hatte ich mehrere Kilometer sehr sympathischer Wohngebiete durchlaufen und ebensoviele Blasen an den Füßen. Ein freundlicher junger Mann klärte mich auf: „There are two Ganary Squares. Every day people come here, even in taxis.“ Damit es den Lesern dieses Blogs nicht passiert (außer, sie suchen eine Route für einen wirklich schönen Spaziergang durchs nicht-touristische London), hier ein Google-Maps-Screenshot vom richtigen Granary Square – von der U-Bahn King’s Cross muss man eigentlich nur den Fußweg King’s Boulevard entlanggehen:

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Bild ganz oben: Inside Stories, (c) Quentin Blake