Am Beginn der Helene-Schjerfbeck-Retrospektive in der Frankfurter Schirn findet man sich ein einem großen Raum voller Selbstporträts der finnischen Malerin, die von 1862 bis 1946 lebte.

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P1120377Oben zwei Selbstporträts von 1915, unten eins von 1945

In diesem einen Raum erfährt man viel über den Weg der Malerei in die Moderne, über den Blick vom Äußeren ins Innere, über verschiedene Formen von Schönheit und über die Wahrnehmung des Alters. Ein Raum, für den allein sich ein Besuch der Ausstellung lohnen würde.

Helene Schjerfbeck gilt als die größte Künstlerin ihres Landes, und als solche hat sie einen prominenten Platz im finnischen Kulturherbst der Stadt Frankfurt. Als Gastland der heute zu Ende gegangenen Buchmesse macht ihre Heimat unter dem Motto „Finnland cool“ auf allen Kanälen von sich reden. Was ja eine gute Sache ist, denn schließlich kann nicht jeder diesen Blog lesen, auf dem schon länger steht, wie cool Finnland ist.

Schirn_Presse_Schjerfbeck_Girls_Reading_1907„Lesende Mädchen“, 1907, Ateneum Art Museum, Finnish National Gallery, Helsinki

Helene Schjerfbeck hat den größten Teil ihres Lebens in der relativen Abgeschiedenheit Finnlands verbracht, nicht allerdings ihre glücklichsten Jahre. Während derer war sie in Frankreich, studierte Malerei in Paris und entwickelte ihren eigenen Ausdruck in der Bretagne. Die Begegnung mit den Künstlern der frühen Moderne ist ihren Bildern anzusehen. Je älter sie wird, desto moderner wird ihre Malerei, was in Frankfurt durch die Gegenüberstellung von Bildern mit gleichem Motiv aus unterschiedlichen Jahrzehnten deutlich wird.

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P1120387Zweimal „Die Näherin“: oben von 1905, unten von 1927

Das ist überraschend, denn nach 1894 reiste die gesundheitlich angeschlagene Künstlerin kaum noch. Bilder von internationalen Malern ihrer Zeit bekam sie vor allem in Kunstzeitschriften zu sehen – als schwarz-weiße Reproduktionen. Gleichzeitig kamen die aktuellen Moden durch Magazine zu ihr. Fotografien schienen ihr wie die Motive anderer Künstler als Modelle zu dienen, sodass ihre Porträts manchmal die mondäne Eleganz europäischer Metropolen zeigen – immer jedoch durch die unverwechselbare, eigenwillig stille und nach innen gerichtete Bildsprache Helene Schjerfbecks  hindurch.

P1120391Mädchen von den Inseln, 1929

Viele Bilder von Helene Schjerfbeck sind in Helsinki zu sehen, und eine Reise in die finnische Hautpstadt lohnt sich immer; dennoch: Frankfurt ist für die meisten von uns näher, deshalb: unbedingt bis zum 11. Januar 2015 in diese Ausstellung gehen! Man sieht, was man noch nie gesehen hat, auch wenn man glaubt, schon so ziemlich alles gesehen zu haben.

(Bild ganz oben: „Maria“, 1909, Ateneum Art Museum, Finnish National Gallery, Helsinki)

Bild ganz oben und 5. Bild von oben: (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2014