Als meine neunjährige Tochter das Buch KEIN BOCK AUF KUNST? von Annette Roeder und Katja Bandlow (erschienen bei Prestel) öffnete, zog ungläubiges Staunen über ihr Gesicht. Sie sah aus, als hätte sie das Buch gefunden, das genau für sie geschrieben wurde.

Museums-Handbuch zum Benutzen

Beim Anblick eines der Museumstagebuch-Bögen mit dem Titel „Diese Ausstellung/dieses Museum hast du überlebt“ fragte sie: „Können wir den benutzen?“ Womit das Buch schonmal einen kunstpädagogisch wertvollen Zweck erreicht hatte: Das Kind bekam Lust auf den nächsten Museumsbesuch – um den Bogen auszufüllen.

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„Es ist schönstes Schmuddelsonntagswetter, im Fernsehen läut gerade deine Lieblingsserie, du möchtest den ganzen Tag im Schlafanzug bleiben? … Aber ausgerchnet JETZT wollen dich deine Eltern (oder zumindest einzelne Teile davon) unbedingt ins Museum oder irgendeine langweilige Ausstellung schleppen!“ So beginnt das Buch, und für diese schreckliche Situation bietet es kreative Lösungen.

Activity Book für kindliche Museumsbesuche

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Unter dem Strich ist KEIN BOCK AUF KUNST? ein Activity Book für kindliche Museumsbesuche – ein schnoddriges. Es fordert auf, zu dokumentieren. was man kurios, albern, doof und überflüssig findet – womit das Kind natürlich genau das täte, was man ja will, wenn man es ins Museum schleift: sich mit Kunst auseinandersetzen.

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Aber immerhin begleitet von einem Handbuch, das dem Kind tröstliche Solidarität bezeugt und ihm sogar Bastelanleitungen für Hilfsmittel zur prompten Museumsverweigerung bietet: für einen Notfallausweis oder eine Tarnbrille. Und natürlich kommen auch die positiven Seiten des Museums zur Sprache: Shop und Café.

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Innerfamiliär für gut bewertet

Braucht man so ein Buch, wenn man mit den Kindern ins Museum will? Nicht unbedingt, wenn man alle Jubeljahre mal geht. Aber für schwer geschädigte Museums-Habitués ab ungefähr acht Jahren scheint es hilfreich zu sein, wenn man die Reaktion meiner Tochter als Maßstab nehmen will.

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