Maria Sibylla Merian, gestorben vor genau 300 Jahren, war ihrer Zeit voraus – in mancher Hinsicht. Zum einen war die Künstlerin und Naturkundlerin eine der ersten Personen, die die Welt der Insekten erforschten. Zum anderen war sie eine unabhängige Frau, die ganz in ihrer Arbeit aufging. SIBYLLA UND DER TULPENRAUB. DIE WILDE KINDHEIT VON MARIA SIBYLLA MERIAN von Benita Roth, verlegt bei E.A. Seemanns Bilderbande, erzählt von der Kindheit dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Ein Mädchen, das Insekten liebt

Auch heute ist es nicht alltäglich, wenn Kinder sich für Insekten mehr begeistern als für alles andere auf der Welt. Noch ungewöhnlicher war es zu den Zeiten von Maria Sibylla Merian, die 1647 in eine künstlerische Familie in Frankfurt am Main hineingeboren wurde. Ihr künstlerisches Talent wurde früh von ihrem Stiefvater entdeckt und gefördert – der Faszination für die Natur verfiel sie ganz allein. Hätte sie sich nur für Blumen interessiert, wäre das noch mit dem Frauenbild ihrer Zeit vereinbar gewesen. Aber nichts faszinierte Maria Sibylla Merian mehr als die Welt der Insekten.

Leidenschaft, die sich gegen Konventionen durchsetzt

Benita Roth erzählt in SIBYLLA UND DER TULPENRAUB von der Kindheit eines Mädchens, das sich über die Konventionen seiner Zeit hinwegsetzt, weil es von einer unwiderstehlichen Leidenschaft angetrieben wird. Mögen andere Insekten als „Teufelsgeziefer“ abtun: Sibylla ist fasziniert von allem, was Eier legt, kriecht, krabbelt und fliegt. Die historische Maria Sibylla Merian züchtet als Teenager Seidenraupen; Benita Roths Bilderbuch-Sibylla geht ihrem unkonventionellen Hobby, Insekten zu sammeln und zu zeichnen, schon als kleines Mädchen im Geheimen nach.

Der fiktive Tulpenraub

Dramatisch wird es in Benita Roths Geschichte, als Sibylla einem Grafen eine Tulpe stiehlt, weil die Blume so ungeheuer selten ist, dass sie sie unbedingt malen muss. Nach einem ersten Zornesausbruch zeigt sich der Graf beeindruckt von Sibyllas Pflanzenwissen und beschließt, ihre Unternehmungen von nun an finanziell zu unterstützen: ein Happy End für ein kleines Drama, das die Autorin zwar erfunden hat, das Kindern ab vier Jahren aber eindrücklich von einer großen, historisch verbrieften wissenschaftlichen und künstlerischen Leidenschaft erzählt.

Maria Sibylla Merian: eine Pionierin

Die echte Maria Sibylla Merian wurde im Laufe ihres Lebens zu einer anerkannten Naturkundlerin und Künstlerin, die im Alter von 52 Jahren, begleitet nur von ihrer Tochter, eine für damalige Zeiten ungeheuerliche Reise nach Südamerika unternahm – zu Forschungszwecken. Sie war eine Pionierin der Naturkunde und eine Pionierin, was die Emanzipation der Frau angeht. Noch heute, 300 Jahre nach ihrem Tod, ist die Persönlichkeit der Maria Sibylla Merian ein Faszinosum. Das verspielt und komisch illustrierte, auf jeder Seite von der Euphorie seiner Hauptperson kündende Bilderbuch SIBYLLA UND DER TULPENRAUB ist ein gelungener Einstieg in eine Biographie, die Kindern auch nach 300 Jahren noch etwas zu sagen hat.

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