Der Elefant Babar mit Krone, grünem Anzug und großer Familie ist in Frankreich eine der bekanntesten Kinderbuchgestalten. In einem noch recht jungen Buch bricht er zu einer Reise um die Welt auf.

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Der Elefant Babar war 74 Menschenjahre alt, als er seine Familie mit auf eine Weltreise nahm. 1931 hatte Jean de Brunhoff in Frankreich das erste Babar-Buch veröffentlicht und damit eine der berühmtesten französischen Kinderbuchgestalten erfunden: einen Elefanten, dessen Mutter von Jägern erschossen wird, der sich in die Welt der Menschen verirrt, dort Freunde findet und schließlich die Stadt Célesteville gründet, deren König er wird. Benannt hat er die Stadt nach seiner Frau Céleste, mit der er vier Elefantenkinder bekommt.

Babar wurde älter als sein Erfinder, der schon im Alter von 36 Jahren an Tuberkulose starb. Sein Sohn Laurent de Brunhoff war damals zwölf, und er sollte die Geschichten um den Elefanten und seine Familie weiterzeichnen und -schreiben: mit einem etwas plakativeren Strich und in der gleichen freundlich-einfachen Sprache wie sein Vater.

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MIT BABAR AUF WELTREISE ist gerade einmal zehn Jahre alt. Laurent de Brunhoff, der heute in den USA lebt, hat es 2005 dort herausgebracht, Knesebeck hat es in Deutschland verlegt, inzwischen ist es hierzulande leider nur noch gebraucht zu kaufen. Zu klassisch für den manchmal allzu pädagogisch korrekten und trendbewussten deutschen Buchmarkt, zu uncool, zu altmodisch? Für unsere Kinder war es nichts von alledem, und für Kind am Tellerrand ist es das auch nicht; im Gegenteil: Klassische Kinderbuchelefanten von fast lakonischer Einfachheit inmitten großer Panoramen und kleiner Szenen, die Lieblingsreiseziele rund um den Globus zeigen, sind für mich nur schwer zu übertreffen. Ihre Tiergestalt ist immer ein amüsanter Kommentar zu der Menschenwelt, in der sie unterwegs sind, und ihre künstlerische Qualität steht außer Frage.

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Die Texte in MIT BABAR AUF WELTREISE sind ideal für jüngere Kinder: Man lernt „Boungiorno“ und „Arrivederci“, erfährt, dass man in Japan beim Betreten des Hauses die Schuhe auszieht, und hört von exotischen Orten wie Machu Picchu, den ägyptischen Pyramiden und Angkor Wat. Babars Kinder bekommen nämlich so einiges zu sehen, bis sie ermüden und die Reiselust sie verlässt. Und auch dann besteht der Vater darauf, noch die letzten Ziele abzuarbeiten – eine Situation, die einige reisefreudige Eltern kennen dürften.

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Laurent de Brunhoff zeigt keinerlei Ambitionen, Stereotypen zu umschiffen, und führt spanische Flamencotänzerinnen ebenso ins Feld wie die französische Liebe zur Mode. Aber das ist für Kinder ab dem Kindergartenalter, denen man mit diesem Buch von der großen und vielfältigen Welt erzählt, wohl kein Stein des Anstoßes. Die Zeit für komplizierte Differenzierungen kommt später. Und außerdem kommen ja auch so eigenwillige Dinge wie Zen-Gärten vor – und sogar die Casa Batlló von Gaudí.

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