Eine Ferienreise, drei Modeausstellungen, die verschiedener nicht sein könnten. Und die jeweils eine eigene Geschichte erzählen von einem Thema, das die Menschen seit Jahrhunderten umtreibt.

EUSKIRCHEN: KLEIDUNG IN DER NAZIZEIT

Schneidern1„Schneidern“

Nähen1„Nähen“

Nein: Die stilbewusste Dame der Nazizeit lief in der Regel keineswegs im Dirndl herum, wie man heute gerne glaubt. Tracht war zwar politisch höchst korrekt, im Alltag jedoch trug man meist zeitgemäße Kleidung. Wie die Mode zwischen 1933 und 1945 aussah und inwiefern sie von politischen Faktoren beeinflusst war, zeigt die Ausstellung „Glanz und Grauen. Mode im ‚Dritten Reich'“ im LVR- Industriemuseum Oberhausen (noch bis zum 26. 10. 14).

Das Spektrum der gezeigten Kleidung ist breit und eindrucksvoll, reicht von BDM- und HJ- Uniformen bis zu Entwürfen für die deutsche Filmindustrie. Man staunt über die Abendroben der hohen Funktionärsgattinnen, die sich an der französischen Mode orientierten – etwas, was einfacheren Frauen als ideologischer Verrat angerechnet worden wäre. Die normale Dame hatte vor allem damit zu tun, in Anbetracht der stetig sich verknappenden Materialien immer noch gut auszusehen – allerdings brav, nicht mondän. Man schneiderte zu Hause, funktionierte alte Kleidungsstücke um, besserte Kaputtes auf bemerkenswert kreative Weise aus. Das ist denn auch eine der eindrucksvollsten Botschaften der Euskirchener Ausstellung: Egal, wie schlecht die Zeiten – auf Schönheit will man nicht verzichten.

BREDA: RENAISSANCEGARDEROBE AUS PAPIER

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Die Belgierin Isabelle de Borchgrave kreiert historische Kostüme – ganz und gar aus Papier. In ihrem Brüsseler Atelier entstehen komplette Garderoben vergangener Stilepochen, die bis ins kleinste Detail aus verschiedenen Papieren und in unterschiedlichen Techniken hergestellt sind.

Wenn Isabelle de Borchgrave eines ihrer Kostüm-Ensembles ausstellt wie jüngst ihre Renaissance-Garderobe für die Medici im Stadtmuseum im niederländischen Breda, entsteht eine magische Welt. Als Besucher wandelt man inmitten dreidimensionaler historischer Pracht und begeistert sich gleichzeitig für die erstaunlichen Dinge, die die Künstlerin aus Papier erschafft: Perlenketten, Spitzenkragen, Haarknoten, Schühchen, golddurchwirkte Brokatstoffe, transparente Umhänge.

Schön für alle und besonders für Kinder: Am Ende von Isabelle de Borchgraves Ausstellungen ist in der Regel das aus Papier nachgebildete Atelier der Künstlerin zu sehen – komplett mit überdimensionierten Scheren, Anspitzern und Klebestiften.

ANTWERPEN: FEDERN IN DER MODE

P1090242Oliver Theyskens für Rochas

P1090226Ann Demeulemeester

Die Frau als Paradiesvogel: Das Antwerpener Modemuseum widmet seine Ausstellung „Birds of Paradise“ (noch bis zum 24. 8.14) der Verwendung von Federn in der Mode.

Opulenz ist bei dem Thema Programm: Fächer und Hüte von Königinnen, Roben aus Schwanenfedern, dunkel schimmernde Femme-Fatale-Capes – Federn stellen in der Mode einen Gipfel des Erlesenen und Ephemeren dar und für ein Modemuseum den Anlass für eine Schau der Superlative. (Foto ganz oben: Thierry Mugler)

Da man aber in Antwerpen ist, kommt selbst beim Thema Federputz, dessen Tradition fest im höfischen Luxus Frankreichs verwurzelt ist, ein bisschen von der modischen Subversion zum Tragen, für die die Antwerpener Modeszene steht. So ist Avantgarde-Mode von Ann Demeulemeester zu sehen, die Federn liebt, ohne dafür Vögel auf ihrem Gewissen haben zu wollen. Ann Demeulemeester verwendet nur gefundene Federn oder solche, die etwa bei der Fleischgewinnung abfallen. Außerdem sind ihr heimische Tauben- und Hahnenfedern schön genug – auf Exoten verzichtet sie.

P1090239Giambatista Valli