INWIEFERN GEHT DESIGN KINDER UND JUGENDLICHE AN? #DESIGN-DIENSTAG 

Es ist noch nicht lange her, da war das wichtigste Schönheitsmerkmal einer Brille Unsichtbarkeit. Farbneutrale Metallränder wurden immer schmaler, bis die Gläser manchmal nur noch von transparenten Nylonfäden gehalten wurden. Wenn man schon diesen Fremdkörper im Gesicht tragen musste, dann sollte er bitte so unauffällig wie möglich sein.

Das ist vorbei. Die Nerd-Brille mit ihrem dunklen Rand ist so hip, dass manche Leute ohne Sehfehler sich eine mit Fensterglas kaufen – als Fashion-Accessoire. Dabei waren solche Brillen früher das unbestrittene Symbol für Uncoolness: Streber-Brillen, die nur weltfremde Mathe- oder Computerfreaks trugen – Nerds eben.

Heute hat sie jeder. Männer auf der beruflichen Erfolgsspur ebenso wie zierliche blonde Schülerinnen. Wollen wir jetzt alle Nerds sein? Immerhin haben die echten Nerds ziemlich an Ansehen gewonnen, seit ihre digitalen Erfindungen unseren Alltag mehr und mehr verändern und sie selbst mit Milliarden jonglieren. Aber nicht jeder, der ihre Brillen trägt, interessiert sich für Nerds. Und nur wenige wollen vom Nerd-Stil mehr übernehmen als die Brille.

Offenbar finden wir es im Augenblick einfach gut, wenn die Brille optisch nicht mehr mit dem Gesicht verschmilzt, sondern als Fremdkörper ins Auge sticht. Das ist selbstbewusst und offensiv. Zeigt, dass man an die Stelle von Lieblichkeit und Zurückhaltung lieber mal einen etwas brutalen Kontrast setzt. Signalisiert: „Ich verstecke nichts.“ Und hat sogar einen originellen kleinen Hauch von Verkleidung: Freunde, ihr seht mich hier im klassischen Brillenschlangen-Look. Dinge, die so eine souveräne Haltung signalisieren, sind vielleicht wirklich cool.

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