Wenn man als nicht mehr ganz kleines Kind kürzlich in Rom war und einige Zeit später mit seinem Vater nach Nürnberg ins Frankenstadion zum Fußball geht, dann kann einem schon etwas komisch zumute werden. Eine ungute Anhäufung von Kolosseen macht sich bemerkbar.

Da ist natürlich zum einen das echte, das aus der Antike. Das schaut man sich sowieso an. Fährt man aber aus dem römischen Zentrum heraus in den Stadtteil EUR, den Mussolini für die geplante und wegen des Zweiten Weltkriegs schließlich abgesagte Weltausstellung errichten ließ, trifft man auf das, was die Römer gern als „quadratisches Kolosseum“ bezeichnen.

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Dabei handelt es sich um den zwischen 1938 und 1943 erbauten Palazzo della Civilità Romana, den Inbegriff der Architektur des italienischen Faschismus. Die strengen Bogenfenster-Reihen erinnern sofort ans Kolosseum, genauso wie die monumentale Form des weißen Klotzes. Von allen Seiten ist er gleich, nirgendwo präsentiert er etwas wie ein Gesicht. Man braucht keinen großen historischen oder architektonischen Hintergrund, um zu begreifen, dass hier eine Einschüchterungs-Ästhetik am Werk ist. Und man braucht auch nichts von Künstlern wie Giorgio de Chirico zu wissen, um zu sehen, dass die scharfen Linien und die starken Reliefs mit ihren tiefen Schattenwürfen durchaus eine ästhetische Qualität haben – trotz ihrer unseligen politischen Motivationen.

Ein paar Wochen später Nürnberg. Ins Frankenstadion gelangt man über das Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten. Die Zeppelintribüne, von der Hitler seine Ansprachen hielt, wurde ihrer antikisierenden Säulenreihen entledigt, aber dem übriggebliebenen Mittelteil sieht man immer noch an, dass römische Größe Stilvorbild war.

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Gespenstisch wird es beim Blick über den idyllisch in der Landschaft gelegenen Dutzendteich. Jenseits des Wassers sieht man eine Art Kolosseum. Die Rundung der Fassade, die Reihen von Bogenfenstern: nach dem römischen Sightseeing ein kleiner Schock. Was für eine Anmaßung! Geplant war der unvollendet gebliebene Bau als Kongresshalle.

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Unser zufälliger, der Bundesliga geschuldeter Rom-Nürnberg-Parcours wird zu einer eigenwilligen Geschichtsstunde, in der Machtgebaren, Größenwahn, Anmaßung und Einschüchterung plötzlich dreidimensional vor uns stehen. In Deutschland mit mehr Brutalität als in Italien: Wie die Geschichte, so ihre Gebäude.

Wer sich für solche architektonischen Geschichtsstunden interessiert, gelangt hier zu einem irritierenden Relikt nationalsozialistischer Innenarchitektur