Kinderbücher über das Leben in möglichen Reiseländern stehen in gewisser Fülle in unserem Bücherregal und werden auch auf diesem Blog gerne vorgestellt. Aber andersherum? MAXXI À BERLIN – AUJOURD’HUI EN ALLEMAGNE (Gallimard Jeunesse) erzählt französischen Kindern von Deutschland.

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Der ungefähr zwölfjährige Maxxi berichtet in Tagebuchform von seinem Leben in der Hauptstadt, deren Coolness und Multikulti-Szene es den Autoren Catherine Rollet und Patrick Kennedy unübersehbar angetan hat. Türkischen Baklavas schenken sie mehr Aufmerksamkeit als den typisch deutschen Mahlzeiten, die in Form von Brotbox, Kaffee und Kuchen und etwas drögem Abendbrot präsentiert werden.

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Dank der hippen Hauptstadt kann man aus französischer Sicht etwas seltsame deutsche Eigenheiten mit Distanz betrachten: Maxxi denkt mit demselben Befremden wie der Durchschnittsfranzose an Lederhosen und ans „Grüß Gott“ der Bayern, als seine Familie den Besuch der süddeutschen Verwandtschaft erwartet.

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Und dann ist da das Kapitel „Toujours pas de Kita“ – „Immer noch keine Kita“: ultimativer Triumph für die Franzosen, bei denen es sowas wie Engpässe in der Kinderbetreuung nicht gibt und Mütter ruck-zuck wieder in den Beruf einsteigen.

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Aber die Franzosen lassen Gerechtigkeit walten: Direkt neben der Kita-Geschichte wird das deutsche Umweltbewusstsein positiv hervorgehoben.

Wie denn MAXXI À BERLIN überhaupt eine bemerkenswerte Fülle von Informationen über die deutsche Gesellschaft enthält; angefangen beim politischen Grundwissen über die Automobilindustrie bis hin zu den wichtigsten Kinderbuchautoren und zur Ostalgie. Vor solch umfassender Wissensvermittlung schrecken deutsche Kinderbücher gern zurück.