Dank dem Victoria and Albert Museum können wir jetzt alles auf einmal: entspannen, Kinder beschäftigen und unsere Bildung vertiefen. Das Londoner Museum hat das iPad-Spiel Strawberry Thief entwickeln lassen, mit dem man in ein Design von William Morris eintaucht.

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Einmal auf Play klicken, und schon fühlt man sich wie bei einem virtuellen und sehr britischen Picknick unter Bäumen. Als Strawberry-Thief-Spieler ist man ein kleiner bunter Vogel, der über eine pergamentbraune Welt fliegt und überall, wo er vorbeikommt, Konturen zauberhafter Blumen und Vögel wachsen lässt. Wenn er die frei im Raum schwebende Blüte mit verführerisch roten Erdbeeren erwischt, gibt es einen bunten Blätterregen, und der Vogel bekommt neue Energie. Das Ganze im Rhythmus beschwingter klassischer Musik.

Peu à peu erscheinen die Konturen eines der berühmtesten Textilentwürfe von William Morris auf dem Bildschirm. Der große Arts-and-Crafts-Künstler, der am Ende des 19. Jahrhunderts wichtige Grundsteine der modernen Designgeschichte gelegt hat, gab dem Muster selbst den Erdbeerdieb-Namen.

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In einer zweiten Spielsequenz verleiht der nach Lust und Laune auf dem Bildschirm herumzeichnende Finger den Pflanzen und Vögeln eine blasse Farbschicht, um sie danach mit einer Lage kräftiger Farbtöne zu vervollkommnen.

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Das fühlt sich ein bisschen an wie Ausmalen, aber man kann nichts falsch machen. Digital Natives haben bei diesem Spiel keinen Vorteil vor ihren Großmüttern, denn bei Strawberry Thief gibt es keine Gewinner, hier ist der Weg das Ziel. Und dieses Ziel heißt: Eintauchen in William Morris‘ bukolisch-heitere Motivik, mit der er sich sowohl gegen den viktorianischen Pomp seiner Zeit als auch gegen die einsetzende Produktion billiger Massenware wandte.

Die Rechnung der jungen Game-Designerin Sophia George, die hinter dem Spiel steht, geht auf: Sie wollte ein Computerspiel entwickeln, von dem verschiedene Generationen etwas haben.

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