INWIEFERN GEHT DESIGN KINDER UND JUGENDLICHE AN? #DESIGN-DIENSTAG

Manchmal haben wir genug. Genug von allem, was unsere Shopping-Welt in der Regel ausmacht: Farben, Formen, dekorative Details, Logos. Wenn wir dann ein Geschäft betreten, das aussieht wie die Filialen der japanischen Handelskette Muji, sind wir regelrecht erleichtert: Lauter klare, aufs Einfachste reduzierte Formen. Oberflächen aus braunem oder schwarzem Karton, aus milchigweißem, halbtransparentem Kunststoff und naturfarbenem Textil. Keine Muster, keine Motive, keine Aufschriften – und nirgendwo, wirklich nirgendwo ein Logo.

Muji, gegründet 1980 in Japan mit dem Ziel, „markenfreie Qualitätsprodukte“ zu erschwinglichen Preisen herzustellen, hat den Minimalismus nicht erfunden. Der ist ein Kind der frühen Moderne, am treffendsten auf den Punkt gebracht durch den Architekten und Bauhaus-Direktor Mies van der Rohe. Von ihm stammt die berühmte Formel „less is more“. Stilbewusste Menschen pflegten die Liebe zu Schlichtheit und Purismus das ganze 20. Jahrhundert hindurch, aber damit eine Firma wie Muji bei der breiten Masse Erfolg haben konnte, an die sie sich mit ihren bezahlbaren Alltagsprodukten richtet, musste einiges geschehen.

Das sparsame Design der Muji-Produkte wirkt wohltuend auf uns, entspannend – und stylisch. An diesen Punkt wären wir vermutlich nicht gekommen, wenn wir uns nicht komplett überfüttert gefühlt hätten von der sagenhaften bunten Vielfalt der Warenwelt: von dem, was fortwährend nach unserer Aufmerksamkeit schreit. Der beruhigende Effekt, den die Optik der Muji-Dinge auf uns ausübt, ist wenig verwunderlich. Der Schritt aus der Reizüberflutung einer typischen Innenstadt in eine Welt von maximaler gestalterischer Zurückhaltung ist Zen fürs Gemüt – nicht umsonst stammt Muji aus einem Land, das seit jeher die formale Strenge zelebriert.

Erstaunlicher ist,  dass uns die Muji-Produkte in vielen Fällen stylischer erscheinen als Dinge, die mit großer Sensibilität für Trends und unter Berücksichtigung aktueller Konsumentenanalysen in immer neuen Designs auf den Markt kommen. Ihnen gegenüber wirken die Gegenstände bei Muji fast wie Anti-Design – wenngleich ihre hohe gestalterische Qualität unbestritten ist. Dennoch signalisieren sie in ihrer gesamten Erscheinung eine gewisse Verweigerung gegenüber dem allgegenwärtigen „too much“, und der Appeal dieser Haltung ist von einer schwer zu übertreffenden Coolness. Zumal der gegenwärtige Trend zum Decluttering, der im Wegwerfen des Überflüssigen einen Weg zu neuer spiritueller Klarheit sieht, der Muji-Ästhetik noch in die Hände spielt.  Vielleicht wird Kartonbraun nicht das neue Pink – aber selbst in der jugendlichen Pink-Zielgruppe gibt es einige, die das Anti-Pink kultiger finden.

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