INWIEFERN GEHT DESIGN KINDER UND JUGENDLICHE AN? #DESIGN-DIENSTAG

Es begann mit dem Hype um den Macaron. Vor ein paar Jahren wurde das baiserartige, cremegefüllte Gebäck von einem Klassiker der französischen Konditorskunst zur Stilikone. Seither haben Seifen und Kettenanhänger die Form von Macarons angenommen; pastellfarbene Macarons zieren Produkte von der Armbanduhr bis zum Füller. Im gleichen Schwung wurde der Cupcake zu einem die Kontinente übergreifenden Lieblingsmotiv, inzwischen hat der Doughnut massiv nachgezogen.

Der Patisserie-Trend wirkt in zwei Richtungen: optisch und kulinarisch. Wo immer Törtchenmotive auftauchen. sorgen sie für einen Augenblick von so süßer wie stylischer Festlichkeit: bunt, aber niemals in grellen Farben, sondern in Tönen von liebevoller Sanftheit gehalten. Mal erscheinen sie eleganter, mal poppiger, mal kindlich. Der graue Schul- oder Arbeitsalltag ist den Cupcakes, Macarons und Doughnuts so fern wie persönliche oder gar politische Krisen.

Und während das Törtchenmotiv zu einem Symbol für die sahnige Seite des Lebens wurde, nahmen die echten, essbaren Törtchen einen immer größeren Platz in unseren Städten ein: keine Einkaufsstraße ohne einen rosafarbenen Doughnut-Shop, keine Innenstadt ohne einen stylischen Laden mit raffinierten Back-Accessoires in verführerischen Farben. Denn der Gipfel des Patisserie-Glücks ist es, das pastellfarbene Zuckerzeug selbst herzustellen. Schließlich ist DIY das Gebot der Stunde, und den Inbegriff des Süßen in der eigenen Küche Realität werden zu lassen – das ist fast wie der Kuss eines Einhorns, des trendigsten Fabelwesens unserer Tage.

Vermutlich wäre die Konditorskunst nie zum großen Visual-Culture-Trend der 2010er-Jahre geworden, wenn es die Pariser Luxus-Patisserie Ladurée nicht gäbe. Sie hat den Macaron zum Kultgebäck gemacht. Die Ladurée-Hausfarbe, ein zartes Pistaziengrün, hat sich mit dem Rosé von Himbeercreme und Erdbeerzuckerguss zu einer weltweit populären Farbsymphonie von unschlagbarer Süße und Pudrigkeit verbunden (siehe die Ladurée-Illustration unten rechts im Bild). Ladurée und sein Mattgrün existieren schon seit 150 Jahren, doch scheinbar war die Zeit noch nie so reif für die Pastelltöne der Patisserie wie jetzt. Warum verfallen Produktdesign, Cafés und Küchen ausgerechnet heute einem Sweet Chic, der uns vor einigen Jahren noch als allzu heimelig erschienen wäre? Sehnen wir uns heimlich nach sorglos-sanften Paradiesen, die sich wie fluffig-weiche Wattewolken und süße Cremes anfühlen?

Was es mit dem DESIGN-DIENSTAG auf sich hat, steht hier

Wer Lust hat, weiterzulesen zu dem pastellfarbenen Themenkomplex, dem sei der Artikel über Clean Pop-empfohlen, den Annekathrin Kohout auf ihrem Blog Sofrischsogut veröffentlicht hat