„Ich hatte mir das alles viel spektakulärer vorgestellt“, sagt die Tochter am Ende der Ausstellung „Mythos Chanel“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (noch bis zum 18. Mai 2014). Und trifft damit den Nagel auf den Kopf: Schließlich trat die junge Gabrielle Chanel (oben auf einem Foto von Horst P. Horst aus dem Jahr 1937) in den Zwanzigern mit der Absicht an, die Damenmode von einer spektakulären in eine alltagstaugliche Angelegenheit zu verwandeln.

Sie arbeitete mit Jerseystoffen, in denen man sich gut bewegen konnte, entwarf praktische Cardigans für Frauen und stattete Handtaschen mit Schulterketten aus, damit ihre Trägerin die Hände frei hatte. Mit dem „Kleinen Schwarzen“ kreierte Coco Chanel ein Allroundtalent unter den Kleidern, das bis heute zu den Basics der Damenmode gehört.

The Black DressOmnipräsenz eines Kleiderkonzepts: „The Black Dress“ von Alex Katz   (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Nachdem ihr Business während des Zweiten Weltkriegs brachgelegen hatte, startete Coco Chanel 1954, im Alter von 71 Jahren, ein großartiges Comeback; jetzt vor allem mit ihrem berühmten Chanel-Kostüm. Kastenjacken, Tweedstoffe, farbig konturierte Kanten: Was in den Sechzigern zum Inbegriff des bourgeoisen Stils wurde und auch für den heutigen Blick gediegen-damenhaft anmutet, war im Kern so modern wie Coco Chanels frühe Entwürfe – universell einsetzbar, komfortabel, strapazierfähig und damit ideal für Frauen, die eine aktive Rolle in Beruf und Gesellschaft spielten.

4Foto: (c) Draiflessen Collection Mettingen (Foto: Christin Losta)

Frühe Chanel-Kleider sind in Hamburg ebenso zu sehen wie zahllose Kostüme, Marlene Dietrichs Chanel-Garderobe, ein Originalflacon des Parfums Chanel No 5, Taschen und Schmuck. Außerdem befasst sich die Ausstellung eingehend mit den Einflüssen der Modeschöpferin, zeigt „Kleine Schwarze“ der unterschiedlichsten Hersteller, Jahrzehnte und Preisklassen ebenso wie typische „Chanel-Kostüme“ anderer Modemacher.

Spektakuläre Roben finden sich hier in der Tat nur vereinzelt. Dafür aber Basics der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Und wenn jüngeren Besuchern so manches Wollkostüm konservativ erscheint, gibt es zum Ausgleich einige wilde Kreationen von Karl Lagerfeld zu sehen, der das Erbe Coco Chanels kongenial fortführt – gelegentlich mit angenehmer Selbstironie.

P1070211Bearbrick-Figur im Chanel-Look, entworfen von Karl Lagerfeld

Bild ganz oben: (c) Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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